Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 15: Unterschied zwischen den Versionen

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==Im [[Raschtulswall]], 26. Praios [[Annalen:1033|1033]] BF==
==Im [[Raschtulswall]], 26. bis 28. Praios [[Annalen:1033|1033]] BF==
===In den Bergen, am Djer Kalkarif===
===In den Bergen, am Djer Kalkarif===


'''Am frühen Morgen des 26. Praios 1033 BF,'''<br>
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=====26. Praios, früh morgens=====
'''vor der Ruine von Tsacharias Krähenfreunds alter Hütte'''
'''vor der Ruine von Tsacharias Krähenfreunds alter Hütte'''


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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]]   
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=====26. Praios, kurz vor Mittag=====
'''Am Fuße des Djer Kalkarifs,'''<br>
'''Am Fuße des Djer Kalkarif'''<br>
'''Kurz vor Mittag am 26. Praios 1033 BF'''
 


Der junge Vanyadâler und der Thangolforster Vogt mussten sich mit dem alten Heiler im Schlepptau sputen, mit der vorauseilenden Zaida und dem Wolfshund Schritt zu halten. Der Vierbeiner schien den für ihn einfachsten Weg durch die massiven Gesteinsbrocken des Felsenmeeres zwischen Djer Ragaz und Djer Kalkarif genau zu kennen.  
Der junge Vanyadâler und der Thangolforster Vogt mussten sich mit dem alten Heiler im Schlepptau sputen, mit der vorauseilenden Zaida und dem Wolfshund Schritt zu halten. Der Vierbeiner schien den für ihn einfachsten Weg durch die massiven Gesteinsbrocken des Felsenmeeres zwischen Djer Ragaz und Djer Kalkarif genau zu kennen.  
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"Ja, vielleicht eine Blindschleiche oder eine Pferdebremse" lästerte Moritatio und deutete mit einem Kopfnicken auf die steil vor ihnen aufragende Westwand des Djer Kalkarifs. "Wir haben keine Zeit, um uns die Hirngespinste eines Hundes Sorgen zu machen. Auf geht's - der Berg ruft!"
"Ja, vielleicht eine Blindschleiche oder eine Pferdebremse" lästerte Moritatio und deutete mit einem Kopfnicken auf die steil vor ihnen aufragende Westwand des Djer Kalkarifs. "Wir haben keine Zeit, um uns die Hirngespinste eines Hundes Sorgen zu machen. Auf geht's - der Berg ruft!"


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"Praiosseibeiuns! Das ist Hexenwerk! Ein Ferkinakke der zaubern kann!"  Moritatio tastete nach seinem Stilett und dem abgebrochenen Rapier, in der Gewissheit, daß sie ihm ohnehin nicht viel nutzen würden. Hoffentlich wußte der Streitziger einen Rat, er war ja schon viel herumgekommen in der Welt.
"Praiosseibeiuns! Das ist Hexenwerk! Ein Ferkinakke der zaubern kann!"  Moritatio tastete nach seinem Stilett und dem abgebrochenen Rapier, in der Gewissheit, daß sie ihm ohnehin nicht viel nutzen würden. Hoffentlich wußte der Streitziger einen Rat, er war ja schon viel herumgekommen in der Welt.


"Da sind sie! Du hattest tatsächlich Recht, Qualalahina!" lobte Ghazal die Djinni, die ihn unsichtbar trug. Er hatte ihr erst nicht glauben wollen, als sie ihm heute morgen nach ihrem alltäglichen Erkundungsflug mitgeteilt hatte, vier Flachländer und einen Hund am Fuße der Westwand des heiligen Berges entdeckt zu haben. Der Hund hatte Qualalahina heute morgen bemerkt, deshalb hatte sie die Eindringlinge nicht weiter verfolgt.
"Da sind sie! Du hattest tatsächlich Recht, Qualalahina!" lobte Ghazal die Djinni, die ihn unsichtbar trug. Er hatte ihr erst nicht glauben wollen, als sie ihm heute morgen nach ihrem alltäglichen Erkundungsflug mitgeteilt hatte, vier Flachländer und einen Hund am Fuße der Westwand des heiligen Berges entdeckt zu haben. Der Hund hatte Qualalahina heute morgen bemerkt, deshalb hatte sie die Eindringlinge nicht weiter verfolgt.
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"Was Ihr wollt?" fauchte Ghazal die drei entsetzten Mittelländer in überraschend gut verständlichem Garethi an, während er eine weitere Runde über ihren Köpfen drehte. "Fort hier oder alle tot bald seid!"
"Was Ihr wollt?" fauchte Ghazal die drei entsetzten Mittelländer in überraschend gut verständlichem Garethi an, während er eine weitere Runde über ihren Köpfen drehte. "Fort hier oder alle tot bald seid!"
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]]


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=====28. Praios, mittags=====
'''An der Ostflanke des Djer Kalkarif'''


„Greif seine Beine, Mädchen! Greif seine Beine!“ zischte Moritatio zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und stemmte sich mit aller Kraft gegen den Felsklotz, der Dom Gendahar und ihm selbst Halt bot, während sie den alten Heiler an einem provisorischen „Seil“ herabließen, das sie aus ihrer aller Gürteln zusammengeknotet hatten.
„Greif seine Beine, Mädchen! Greif seine Beine!“ zischte Moritatio zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und stemmte sich mit aller Kraft gegen den Felsklotz, der Dom Gendahar und ihm selbst Halt bot, während sie den alten Heiler an einem provisorischen „Seil“ herabließen, das sie aus ihrer aller Gürteln zusammengeknotet hatten.
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Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann lag ihm an ihr mit ihrer vorlauten Art genauso wenig wie am wortkargen Streitziger, dem weltfremden Tsajünger oder dessen ewig kläffender und knurrender Töle. Er wollte nur Richeza und seinetwegen noch deren kleinen Vetter wiederfinden und dann raus hier aus dieser Einöde! Sein Colonello, der hundsgemeine Filippo di Lacara, würde ihn wahrscheinlich ohnehin einen Tag und eine Nacht lang mit vollem Marschgepäck rund um den Exerzierplatz rennen lassen, mit so viel Tagen Verspätung wie er nach Punin zurückkehrte – wenn er denn überhaupt zurückkam, denn Selaque ging vor. Dann aber wäre er ein Fahnenflüchtiger und würde vor dem Kaiser selbst große Schande über seine Familia bringen. Nein, es half alles nichts – er musste diese leidige Sache hier so schnell wie möglich zu einem guten Ende bringen und dann – am besten mit Richeza an seiner Seite! – nach Punin zurückkehren. Mit Praiosmin würden seine Schwester und die Amazonen schon fertig werden – zumal Dom Hernan seine versuchte Arretierung auf ihrem Castillo gewiß auch nicht ungesühnt lassen würde....  
Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann lag ihm an ihr mit ihrer vorlauten Art genauso wenig wie am wortkargen Streitziger, dem weltfremden Tsajünger oder dessen ewig kläffender und knurrender Töle. Er wollte nur Richeza und seinetwegen noch deren kleinen Vetter wiederfinden und dann raus hier aus dieser Einöde! Sein Colonello, der hundsgemeine Filippo di Lacara, würde ihn wahrscheinlich ohnehin einen Tag und eine Nacht lang mit vollem Marschgepäck rund um den Exerzierplatz rennen lassen, mit so viel Tagen Verspätung wie er nach Punin zurückkehrte – wenn er denn überhaupt zurückkam, denn Selaque ging vor. Dann aber wäre er ein Fahnenflüchtiger und würde vor dem Kaiser selbst große Schande über seine Familia bringen. Nein, es half alles nichts – er musste diese leidige Sache hier so schnell wie möglich zu einem guten Ende bringen und dann – am besten mit Richeza an seiner Seite! – nach Punin zurückkehren. Mit Praiosmin würden seine Schwester und die Amazonen schon fertig werden – zumal Dom Hernan seine versuchte Arretierung auf ihrem Castillo gewiß auch nicht ungesühnt lassen würde....  


„Eine gute Idee!nickte er also Zaida zu. „Du bist klein und weißt Dich unauffällig zu bewegen. Und viel älter als Du kann der blonde Jüngling auch nicht gewesen sein – maximal 20 Sommer würde ich sein Alter schätzen. Sei vorsichtig, dass er Dich nicht entdeckt! Wir pirschen uns ebenfalls noch etwas näher heran und warten draußen in der Nähe des Eingangs auf Dich. Hm....etwa hinter diesen Felsen dort drüben.Er deutete auf drei Felsbrocken in der Nähe des vermuteten Höhleneingangs, wo sie den schwarzgekleideten Jüngling kurz zuvor gesehen hatten. „Also, sei vorsichtig! Und jetzt los, berichte uns dann, was Du gesehen hast....
"Eine gute Idee!" nickte er also Zaida zu. "Du bist klein und weißt dich unauffällig zu bewegen. Und viel älter als du kann der blonde Jüngling auch nicht gewesen sein – maximal 20 Sommer würde ich sein Alter schätzen. Sei vorsichtig, dass er Dich nicht entdeckt! Wir pirschen uns ebenfalls noch etwas näher heran und warten draußen in der Nähe des Eingangs auf dich. Hm... etwa hinter diesen Felsen dort drüben." Er deutete auf drei Felsbrocken in der Nähe des vermuteten Höhleneingangs, wo sie den schwarzgekleideten Jüngling kurz zuvor gesehen hatten. "Also, sei vorsichtig! Und jetzt los, berichte uns dann, was du gesehen hast...."


Mit einem aufmunternden Klaps auf den Rücken entließ er Zaida de las Dardas in Richtung der angeblichen Geisterhöhle.
Mit einem aufmunternden Klaps auf den Rücken entließ er Zaida de las Dardas in Richtung der angeblichen Geisterhöhle.
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'''Autor''': [[Benutzer:Simanca|Simanca]]
Irritiert hatte Zaida die Stirn gerunzelt. Mit dem Rechnen hatte Moritatio es wohl nicht so – oder sah sie so viel älter aus als sie war? Na egal, sie würde schon zeigen, dass sie erwachsen genug war, diesen Kundschaftsgang erfolgreich zu absolvieren.
Jede Deckung nutzend, die sich bot, schlich sie sich vorsichtig an die Stelle heran, an der man den Jüngling gesehen hatte. Sobald sie eine sichere Stelle erreicht hatte, spähte sie über die Schulter zurück. Nicht wegen Moritatio oder Dom Gendahar – nein, sie wollte sehen, wie sich Raffzahn gebärdete. Der Hund würde am ehesten von ihnen merken, wenn der Fremde wieder auftauchte und so richtete sie sich nach den Reaktionen des Vierbeiners.
Als sie fast an dem Felsen war, hob sie den Kopf und sah sich wachsam um. Dann duckte sie sich wieder und richtete den Blick zu Boden. Hier eine Spur zu finden war kaum möglich, es sei denn … dort drüben an der Senke vor dem Höhleneingang, wo sich Erde abgesetzt hatte und einige Büschel Gras Halt gefunden hatten. Vorsichtig krabbelte sie über den Felsen oberhalb des vermeintlichen Höhleneingangs näher und spähte hinab.
Ja, da hatte sich wirklich etwas im Boden abgedrückt, ha! Und wie es aussah, war der Mann in die Höhle gegangen. Das würde sie sich genauer anschauen. Zuerst aber … Ein Blick zu Raffzahn, der zwar verhalten mit der Rute wedelte also angespannt war, aber sie nicht vor einer direkten Gefahr warnte.
Sie interpretierte das als 'kein Feind direkt in der Nähe, aber irgend etwas wittere ich gerade'. Vorsicht also.
Und eben so ließ sie sich vom Felsen hinab gleiten, wobei sie darauf achtete, sich im Schatten des Eingangs zu halten, und spähte dann in die Höhle hinein.
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Ein Geräusch weckte [[Aureolus von Elenta|Aureolus]]. Er hob den Kopf und lauschte. Hundegebell! Ob die Ferkinas ihn suchten? Oder ob dies der alte Irre war, der irgendwo am Fuß des Berges hauste, der Alte mit seinem Riesenköter? Aureolus rappelte sich auf und trat vor die Höhle. Sein Blick wanderte langsam über das Plateau und die schroffe Felswand. Es war still. Nichts zu hören. Und nichts zu sehen.
Nach einer Weile ging er zurück in die Höhle, nahm das Bündel auf, in dem er sein Essen aufbewahrte, zog den dunklen Umhang fester um die Schultern und verwischte die Spuren, die in der sandigen Kuhle hinterlassen hatte, in der er geschlafen hatte.
Es war Zeit, zurückzukehren zu der Quelle. Er hatte schon viel über die Bâni Khadr  herausgefunden – zum Beispiel, dass sie einen Teil ihrer Ahnen in einer der Höhle aufbahrten. Was ungewöhnlich war für Ferkinas, die ihre Toten sonst wilden Tieren überließen. Er wusste, dass ihnen die Quelle heilig war, dass deren Wasser heilsame Kräfte hatte, was vermutlich an der Kraftlinie lag, die mitten durch den Berg verlief. Auch hatte er beunruhigt festgestellt, dass wohl einstmals ein Drache in diesen Höhlen gelebt hatte, denn die Ferkinas hatten Bilder einer gewaltigen, geflügelten Kreatur an die Wände gemalt, vor deren Feueratem sie niederknieten.
Es gab Drachen hier im Raschtulswall, nicht wenige sogar. Doch soweit Aureolus wusste, lebten sie tiefer im Gebirge, auf höheren Gipfeln, und er betete im Stillen, dass jener, den die Ferkinas in den tieferen Höhlen verewigt hatten, tot war. Zumindest hatte er keine Anzeichen eines lebenden Drachen gefunden, und auch die Ferkinas hatten in den letzten Jahren nie von einem Drachen gesprochen. Der einzige Drache, von dem sie berichteten, war der, den der Krieger Kazûm erschlagen hatte. Den Schuppen an seiner Rüstung nach zu urteilen, handelte es sich aber eher um einen niederen Drachen, am ehesten wohl einen in dieser Gegend sehr seltenen Felsdrachen, vermutete Aureolus.
Noch einmal hob der junge Zauberer lauschend den Kopf. War da nicht wieder der Hund? Dann kletterte er in den mittleren von drei Gängen, die weiter in en Berg hineinführten. Er konnte sich später um die Ferkinas kümmern. Noch fehlte ihm ein zündender Gedanke, wie er die Macht über die Ferkinas erlangen konnte. – Und falls das da draußen der irre Alte war? Und wenn schon, mit dem wurde er fertig! Viel mehr Sorgen bereitete ihm [[Ghazal iban Muyanshîr]]. Wenn er langfristig gegen den Nuranshâr bestehen wollte, musste er die Geister der Ferkinas beherrschen. Und hier in den Höhlen, das spürte er, lag der Schlüssel zur Macht verborgen.
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'''Autor''': [[Benutzer:Simanca|Simanca]]
Nervös leckte sich Zaida mit der Zunge über die Lippen, als sie in die Höhle
hineinspähte und angestrengt lauschte. Jetzt wo sie hier so ganz allein stand,
kam ihr der eigene Plan nicht mehr ganz so überzeugend vor. Da drinnen war es
nach den ersten Schritten ziemlich dusper und sie hatte keine Fackel dabei.
Nein, sie würde nicht schon jetzt kneifen und sich dann gar noch von Moritatio
verspotten lassen. Energisch nahm sie die Schultern hoch und tastete mit der
rechten nach dem Dolch. Ein wenig sicherer fühlte sie sich damit allemal. Doch
eine Bewegung direkt neben ihr, ließ sie zusammen zucken.
Fast hätte sie über sich selbst lachen müssen, als sie mit angehaltenem Atem
genauer hinschaute: Nur eine Eidechse, eine von der Sorte, die man hier im
Gebirge häufiger fand. Beherzt griff Zaida zu und schob das Reptil unter ihr
Hemd. Warum sollte die arme Eidechse sich hier die Schwanzspitze abfrieren, wenn
es auch wärmer ging?
Außerdem fühlte sie sich so nicht so ganz allein. Das Krabbeln der Eidechse in
ihrem Wams hatte eher eine beruhigende Wirkung auf sie, als sie sich vorsichtig
etwas weiter in die Höhle hinein tastete.
Da, hatte sie nicht eben ein Geräusch gehört? Angespannt lauschte sie erneut und
erkannte langsam, jetzt da sich ihre Augen an das Halbdunkel gewöhnt hatten,
auch mehr Details. Waren da vorne nicht Gänge zu erkennen? Noch ein kleines
Stück wollte sie näher gehen, dann würde sie rasch zurück zu Dom Gendahar und
Moritatio gehen. Aber erst wollte sie schauen, ob sie hier in der Höhle oder an
den Gangzugängen einen Hinweis auf den Jüngling entdecken konnte.
Vorsichtig mit den Füßen vorantastend, um nicht doch noch über eine Unebenheit
im Boden zu stolpern, arbeitete sie sich an die von der Haupthöhle abzweigende
Gänge heran. „Hrm…" Nicht gut, sie konnte nicht sagen, in welchen der Gänge der
Fremde verschwunden war, hier war eindeutig Raffzahns Spürnase von Nöten.
So schnell wie möglich suchte sie den Rest des Raumes ab und vermeinte erkennen
zu können, dass hier bereits jemand gerastet hatte. Allerdings war sie keine
Expertin, was derlei Spurenlesen anging und vielleicht war es mehr Wunschdenken.
Enttäuscht darüber, nicht mehr gefunden zu haben, schlich sich Zaida wieder aus
der Höhle heraus und kraxelte zurück, wo Gendahar und Moritatio bei Tsacharias
zurückgeblieben waren.
Mit einem erschöpften „Uff", ließ sie sich neben Raffzahn auf den Boden sinken
und schob dessen neugierige Nase beiseite, als dieser an ihrem Wams zu
schnüffeln suchte. Derweil sie dem Hund den massigen Kopf tätschelte, erstattete
sie Bericht:
„Von der Höhle da unten, gehen Gänge tiefer in den Berg hinein, ich denke, dahin
ist der Kerl verschwunden. Ich konnte leider nicht erkennen, welchen Gang er
genommen hat. Aber ich bin sicher, Raffzahn kann uns da weiterhelfen, nicht
wahr, mein Kleiner?" Sie legte Raffzahn einen Arm um und sah erwartungsvoll zu
Gendahar und Moritatio. „Sollen wir ihm nach? Oder…" Ihr Blick wanderte zu
Tsacharias. „Müssen wir überhaupt da runter?"
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
[[Tsacharias Krähenfreund]] nickte schwach. Das Atmen schien ihm noch immer schwerzufallen, und seine Stimme war sehr leise, als er sprach. "Ja ... da unten ist die Quelle." Er schien noch mehr sagen zu wollen, schloss aber kraftlos die Augen und machte eine vage Handbewegung, die wohl ein Zeichen zum Aufbruch war.
Grollend winkte der junge da Vanya dem Streitzig zu, und gemeinsam schafften sie den Alten hinunter in die Höhle. Zaida und Raffzahn kletterten hinterher, kaum aber war der Hund in der Höhle, als er zu bellen begann, die Ohren aufstellte und schließlich schnüffelnd über den sandigen Boden lief, aufgeregt im Dreck zu wühlen und zu graben begann, dass der Staub den Männern in Nase und Rachen drang und Tsacharias ein ersticktes Husten von sich gab.
Raffzahn kümmerte das gar nicht, er hob ein Bein, pinkelte in eine Mulde am Höhlenrand, hob lauschend den Kopf, begann wieder zu bellen und schoss geradewegs in den mittleren von drei Gängen an der hinteren Höhlenwand davon.
"Folgt ihm", flüsterte Tsacharias, und die beiden anderen Männer hoben ihn auf und trugen ihn in den Gang hinein, in dem Zaida bereits dem Hund hinterhereilte. Bald aber wurde der Gang niedriger und ging steiler bergab, sodass es den Adligen unmöglich war, den Alten weiter gemeinsam zu tragen. Schließlich hängte Gendahar von Streitzig ihn sich auf den Rücken, auch wenn er sich bücken musste, um nicht mit dem Kopf anzustoßen.
Noch drang Licht durch einen Kamin hinter ihnen, doch vor ihnen in der Tiefe war es dunkel. Irgendwo dort hallte Raffzahns Gebell gespenstisch von den Wänden wider. Und irgendwo dorthin war auch das Mädchen Zaida verschwunden.
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
[[Aureolus von Elenta]] kniete auf dem kühlen, feuchten Stein und betrachtete sein Spiegelbild. Im matt-orangen Licht der unzähligen Gwen-Petryl-Steine, die wie gefrorene Funken an Wänden und Decke der Höhle leuchteten, wirkte sein Gesicht lebendiger, weniger blass als sonst. Seine Augen strahlten wie gelbe Sonnen, die es mit dem Licht der Steine durchaus aufnehmen konnten. Aureolus streckte die Hand aus, verharrte dicht über der Wasseroberfläche. Wie schön er aussah! Wie ein Halbgott, wie ein Dämon – unwiderstehlich, geheimnisvoll, mächtig!
Mächtig! Es war Zeit, dass er seine Macht wiedererlangte! Aureolus schloss die Augen, tauchte die Hand in den unterirdischen See. Das kalte Wasser prickelte leicht auf seiner Haut. Der Zauberer kannte den Effekt von mineralhaltigen Wässern, wie seine einstige Lehrmeisterin [[avwik:Mordaza Maraneta| Mordaza Maraneta]] sie in ihrem Laboratorium verwendete. Hier aber war es noch anders: Aureolus spürte die Kraft, die durch seine Haut in Muskeln und Adern drang, eine Wärme, die sich von der Hand langsam den Arm hinauf ausbreitete. Aureolus tauchte auch die zweite Hand in den See, schöpfte mit beiden Händen Wasser und trank, zweimal, dreimal. Dann schlug er den Umhang zurück, zog die Metallphiolen aus dem Täschchen an seinem Gürtel, füllte und verschloss sie.
Gerade hatte Aureolus das letzte Fläschchen ins Wasser getaucht, als eine plötzliche Veränderung ihn innehalten ließ. Ein Lufthauch machte ihn frösteln, die feinen Haare in seinem Nacken stellten sich auf. Es war, als glitten Schatten unter der Wasseroberfläche dahin, als stiege Nebel über dem See auf - selbst das Licht der Steine schien dunkler geworden zu sein, röter.
Aureolus zog die Hand aus dem Wasser zurück, kam aber nicht dazu, sich aufzurichten. Ein klingender Ton erfüllte seinen Kopf, er nahm seinen eigenen Atem lauter wahr, seinen beschleunigten Herzschlag, das Rauschen des Blutes in seinen Adern, das anschwoll, abschwoll. Es wurde dunkler um ihn, bis alles in rotes Licht und Schatten getaucht schien. Er spürte seine Hände nicht mehr, es war, als sei er in seinem eigenen Körper eingeschlossen. Für einen Moment stieg Angst in ihm auf, dann die Erkenntnis: Da war etwas in ihm, etwas Fremdes!
Wut machte sich breit. Wut auf das Fremde, das ihn beherrschte! Ihn! Den Sohn des großen [[Rakolus der Schwarze|Rakolus]]! Niemals! Aureolus wehrte sich, rang mit dem Fremden in seinem Kopf, in seinem Körper. ''Was willst du?'', fragte er zornig, nicht mehr als ein Gedanke. Er spürte die Antwort, nichts weiter als eine Idee, wortlos, und doch klar. Er sei nicht der Schamane. Er sei ein Eindringling. Er vergreife sich an der Quelle. Er störe den Frieden. Er störe die Ruhe der Geister.
Aureolus kämpfte gegen den Schmerz in seinem Kopf. Er konzentrierte sich auf seinen Atem, auf das Schlagen seines Herzens, bis beides ruhiger wurde. Er spürte in sich hinein, bis er sich sicher war, seine Hände wieder zu fühlen, seine Finger bewegen zu können. Der Geist in ihm brannte wie eisiges Feuer unter seiner Haut, lähmte ihn. Aureolus zwang ihn zurück, stellte sich vor, wie er mit dem goldenen Blick seiner Augen den Geist verbrannte, wie er mit den Flammen seines Zornes seinen Körper wärmte und den Geist vertrieb, wie er mit der Kraft seines Willens den Willen des Geistes brach, bis dieser schwach war, ein Diener nur, ''sein'' Diener, ein Sklave.
Schwankend richtete Aureolus sich auf. ''Ich bin Aureolus, der Goldene, Sohn des Schwarzen'', dachte er und bemühte sich, die Worte klar und kraftvoll wirken zu lassen, selbst wenn sie nicht zu hören waren, seine Zunge ihm noch nicht wieder gehorchte. ''Ich bin der Nuranshâr der [[Bâni Khadr]], der Bezwinger von [[Ghazal iban Muyanshîr]]'', log er.
Für einen Moment ließen die Schmerzen in seinem Kopf nach, er sah klarer, dann aber verstärkte der Geist seine Präsenz, und seine Gedanken, wortlos, bildlos und doch unmissverständlich, ergriffen Besitz von Aureolus. Wo der Windgeist sei. Wie er den Nuranshâr habe besiegen können. Wie er den Windgeist besiegt habe. Er sei ein Lügner. Ein Lügner. Ein Fremder. Ein Eindringling. Niemand könne den Windgeist besiegen. Die Geister hätten gefehlt. Er sei nicht mächtiger als die Geister. Er sei nicht erwünscht. Nicht erwünscht. Nicht erwünscht. Nicht ...
Die Feindseligkeit des Geistes schnürte Aureolus die Kehle zu, ließ seinen Atem stocken. Sein Herz raste, stolperte. Sein Blut pfiff in seinen Ohren. Der Schmerz in seinem Kopf wurde unerträglich, fast wie damals, als seine Lehrmeisterin ihn mit einem ''Fulminictus'' gepeinigt hatte, als er sich erstmals gegen sie aufgelehnt hatte. Der Geist war mächtig. Mächtiger als er. Er würde sterben!
Nein! NEIN! Er war Rakolus' Sohn! ''Hilf mir, Vater!'' Er durfte nicht sterben! Er hatte noch soviel vor! Oh, Götter und Dämonen, nicht so! ''Vater, bitte!''
Er sah ihn vor sich, Rakolus von Schrotenstein. Sein helles Haar, das der Wind um seine Schultern wehte, das blaue und das grüne Auge, die ihn anblickten, das blaue unter einer amüsiert gehobenen Augenbraue. ''Jetzt weißt du, was Furcht ist, Sohn'', hatte er gesagt, nachdem er ihm erstmals den ''Eigene Ängste'' demonstriert hatte. Aureolus war fünf gewesen. ''Und jetzt höre auf zu greinen wie ein Kind. Wenn du mein Sohn sein willst, musst du lernen, deine Furcht zu beherrschen. Wenn du mein Sohn bist, werden die Menschen dich allein dafür verachten, dass du bist, was du bist. Fürchte dich nicht. Furcht ist etwas für die Schwachen, die Demütigen. Sei nicht schwach, lehre andere Demut!'' Rakolus hatte sein Kinn umschlossen mit seinen schönen, schlanken Fingern. Ganz sanft und doch fest genug, dass der Knabe die Kraft des Vaters gespürt hatte. Kraft eines unbezwingbaren Willens, der aus den unergründlichen Augen gesprochen hatte. ''Bist du mein Sohn, Aureolus, wie ich dich geschaffen habe?'', hatte er gefragt, und Aureolus hatte gewusst, dass er selbst in diesem Augenblick über seine Zukunft entschied. ''Willst du mein Sohn sein?'' - ''Ja, Vater'', hatte er geantwortet und es mit ganzem Herzen gewollt. Er wollte es noch immer.
Mit einem Aufschrei stemmte sich der junge Zauberer gegen die Präsenz des Geistes, einem Schrei, der das Blut in seine tauben Hände zurückkehren ließ, der sein Herz kraftvoll antrieb, seine Lungen blähte, seinen Atem befreite, seine Kehle erzittern ließ, seine Muskeln spannte und seinen Geist Herr werden ließ über seine Sinne, einem Schrei, der infernalisch von den basaltenen Wänden der Höhle widerhallte, das Wasser des Sees kräuselte, die roten Schatten zurückdrängte und ihn schließlich, all seiner Kraft beraubt, aber frei, zu Boden sacken ließ.
Zitternd lag Aureolus auf dem Stein am Ufer des Sees. Im warmen Licht der Gwen-Petryl-Steine wirkte dieser so still und friedlich wie zuvor. Als sei nichts geschehen. Der Geist – nein: die Geister – aber waren noch da. Irgendwo unter dem Wasser. Er hatte ihnen ihren Platz gewiesen. Sie fürchteten ihn. Aber sie schätzten ihn nicht. Er musste vorsichtig sein. Erst, wenn er Ghazal wirklich besiegt, erst wenn er unbestreitbar Nuranshâr der Bâni Khadr war, würde er wagen können, sie zu beherrschen.
Aureolus rappelte sich auf, hob die Phiole auf. Er zögerte kurz, dann tauchte er sie ins Wasser, leerte sie in einem Zug, füllte sie erneut. Ein Zittern lief durch den See. "Ich bin der Nuranshâr", flüsterte er, steckte das Fläschchen zu den anderen in seiner Gürteltasche. Das Wasser schwieg.
Es führte kein Weg daran vorbei: Er musste Ghazal vernichten! Die Geister sahen in dem Alten noch immer den rechtmäßigen Schamanen. Mochte er die einfältigen Wilden auch täuschen, die Geister würde er nicht täuschen können. Morgen Nacht würde er ins Zelt des Schamanen schleichen und ihm seinen Dolch ins Herz stoßen. Aureolus stockte. Die Gedanken des Geistes fielen ihm wieder ein, die zu seinen Gedanken geworden waren. Wo der Windgeist sei. Wie er den Nuranshâr habe besiegen können. Wie er den Windgeist besiegt habe. Was für ein Windgeist? Plötzlich fügten sich Bilder aneinander wie die Steine eines Mosaiks: Der brabbelnde Alte – redete er vielleicht gar nicht mit sich selbst? Ghazal, der mit seiner Knochenkeule auf einen jungen Ferkina wies, der wie von Zauberhand zu Boden geschleudert wurde. Aureolus hatte angenommen, dass der Keule ein ähnlicher Zauber innewohnte wie seinem eigenen Stab, einer, den die Gildenmagier scherzhaft 'Hammer des Magus' nannten. Aber woher sollte der Alte Kenntnis über das gildenmagische Ritual haben? Und manchmal erschien der Nuranshâr in kürzester Zeit an einem Ort und bald darauf am nächsten. Dass aber die Wilden um die Thesis des ''Transversalis'' wussten, war ausgeschlossen. Und wenn Aureolus' es sich recht überlegte, hatte er den Alten nicht einfach verschwinden sehen, wie dies beim Eintritt in den Limbus der Fall war, vielmehr war er in Windeseile entschwunden.
In ''Windeseile!'' Das also war sein Geheimnis! Der Alte vermochte dem Wind zu befehlen. ''Wie er den Windgeist besiegt habe?'' Aureolus lachte. Das war es: Nicht einmal der Wind selbst, ein Geist! Wenn er Ghazal vernichten wollte, musste er erst an diesem Geist vorbeikommen. Ein Windgeist also. Ein Elementargeist. Bestimmt kein minderer Geist, dazu war er zu mächtig. Wohl aber auch kein elementarer Meister, der würde sich niemals dem Willen eines greisen Ferkina unterwerfen, selbst wenn dieser mächtiger sein sollte, als Aureolus ihn bislang eingeschätzt hatte. Ein Dschinn vielleicht? Ja, das konnte sein. Aus irgendeinem Grund musste Ghazal dauerhaft Macht über das Wesen haben oder dieses dem Alten loyal ergeben sein. Wenn es Aureolus gelänge, den Dschinn zu töten oder zu bannen, würde er auch Ghazal aus dem Weg räumen können. Unglücklicherweise war er in Mordaza Maranetas Lehrstunden über Elementarmagie wenig aufmerksam gewesen. Konnte man Dschinne töten? Und wie bannte man sie? Zu dumm, er hatte wohl einiges nachzuholen! Seine Bücher lagen in seinem Kindergemach auf [[Burg Albacim]]. Es war wohl wirklich an der Zeit, der Mutter mal wieder einen Besuch abzustatten.
"Ihr wisst ja gar nicht, was ihr mir für einen Dienst erwiesen habt", flüsterte Aureolus den unsichtbaren Geistern zu und grinste. "Adios, ihr Süßen, wir sehen uns bald wieder. Dann werdet ihr euren wahren Meister kennen lernen."
Aureolus verschränkte die Arme vor der Brust, um sich auf die Burg seine Mutter zu teleportieren, doch dann zögerte er. Nein, er konnte [[Romina von Ehrenstein-Streitzig|Romina]] nicht tagelang alleine lassen! Er musste sie mitnehmen! Oder irgendwo anders verstecken. Wenn er aber ins Lager zurückkehrte, brauchte er seine Kräfte. Seufzend nahm Aureolus seinen Stab auf, ließ ihn entflammen und wandte sich dem Ausgang der Höhle zu. Sein Kopf schmerzte noch immer, und der Kampf gegen den Geist hatte ihn ermüdet. Um so wichtiger war es, dass er mit seinen Kräften haushielt.
Nur wenige Schritte außerhalb der Höhle hielt der junge Zauberer an und lauschte. Zum Namenlosen, was war das? Hundegebell? Hier unten? Aureolus löschte das Feuer am Kopf seines Stabes und lauschte in die Dunkelheit. Wenn seine Sinne ihm keinen Streich spielten, gab es keinen Zweifel: Irgendwo da oben in der Finsternis bellte ein Hund.