Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 09: Unterschied zwischen den Versionen

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Mit sanftem Druck schob er sie zur Tür hinaus, während sie nach Luft schnappte und ein Praioszeichen schlug und etwas murmelte, das zu seinem Ärger sehr nach einem ''et ne nos inducas in temptationem sed libera nos a malo'' anhörte.
Mit sanftem Druck schob er sie zur Tür hinaus, während sie nach Luft schnappte und ein Praioszeichen schlug und etwas murmelte, das zu seinem Ärger sehr nach einem ''et ne nos inducas in temptationem sed libera nos a malo'' anhörte.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Ancuiras|Ancuiras]]
Aufgewühlt von den Worten ihres Sonnes begab sich Praiosmin in die große Halle. Aureolus war so entschlossen gewesen, furchteinflößend geradezu! Wie sein Vater, dachte sie voller Stolz, doch zugleich lief ihr ein kalter Schauder über den Rücken.
Sie ließ nach dem Haushofmeister rufen und versuchte fieberhaft, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen, während sie auf dem kühlen Steinboden hin und her lief.
Ihr Sohn hatte Recht. Die Mühlen des Reichsgerichts mahlten zu langsam. Und die da Vanya würde sich einen feuchten Kehricht um ein Urteil scheren und dann war es doch wieder nur an ihr selbst, für Recht und Ordnung zu sorgen. Dann sollten die da Vanyas doch sie verklagen. Schon damals, im Rosenkrieg gegen die Harmamunds waren sie kläglich damit gescheitert, als sie sich vor den Reichskammerrichtern ausgeheult hatten ...
Die Harmamunds, Praiosmins nichtsnutzige 'Verbündete'! Es wurde Zeit, dass sie endlich auch ihren Beitrag leisteten, Rifada da Vanya in die Knie zu zwingen. Vor allem, wenn sie das Castillo da Vanya einheimsen wollten ...
"Ihr habt nach mir gerufen?"
Praiosmin fuhr aus ihren Gedanken auf. "Schleicht Euch nicht so hinterrücks an!", zischte sie dem Haushofmeister zu. Sie atmete tief durch. "Holt die Kiste meines Sohnes aus dem Magazin. Ihr wisst schon, die schwere mit seinen Büchern, aber sofort!" Sie packte den Mann am Kragen. "Und wehe, Ihr habt sie verkramt!" Sie warf ihm einen durchdringen Blick zu, bevor sie ihn losließ und sich abwandte. "Und holt die Harmamund hierher, sie hat sich lange genug bei mir durchgefressen. Ich will endlich wissen, was die Connexiones zu ihrem Onkel wert sind!"
Sie dachte nach. Wieviele Waffenleute konnte sie aufbringen? Dann bemerkte sie, dass der Haushofmeister sich noch nicht entfernt hatte.
"Was gibt es denn noch? Seid ihr taub geworden auf Eure alten Tage?"
"Nein ... äh ... es ist nur Folgendes: Die Caballera von Harmamund ist heute morgen in aller Frühe ausgeritten."
"WAS? Ohne meine Erlaubnis? Wohin?"
"Das sagte sie nicht, Eure Hochgeboren", sagte der Mann und setzte eine zerknirschte Miene auf. "Ich wusste doch auch nicht, dass sie Eurer Erlaubnis bedurft hätte ..."
"AUF DIESER BURG GESCHIEHT NICHTS OHNE MEINE ERLAUBNIS, IST DAS KLAR?"
Der Mann senkte denn Kopf. "Ja, Euer Hochgeboren."
Praiosmin schnaubte verächtlich. "Gibt es noch etwas, was Ihr mir verheimlicht?"
"Verheimlicht? Oh nein, nein, keinesfalls ... niemals!" Dann setzte er zögernd wieder an: "Nur ..."
"NUR WAS?"
"Gestern spät abends kam dieser Bote aus Punin, um eine Nachricht zu überbringen, aber ausschließlich für die Domna von Harmamund! Ad personam, wie er sagte ... und es war doch schon so spät und wir wollten Eure Nachtruhe nicht stören ... Er hatte einen Kaiserlichen Wappenrock ... Er ist mit der Domna fortgeritten, heute morgen."
Praiosmins Augen verengten sich zu Schlitzen. "Ihr lasst hier Fremde in der Burg ein- und ausmarschieren wie in einem Taubenschlag und haltet es nicht für nötig, mich in Kenntnis zu setzen?"
Die Augen des Haushofmeisters bohrten sich in die Steinplatten zu seinen Füßen. Er sagte lieber gar nichts mehr. Lange Jahre des Dienstes unter der Vogtin hatten ihn gelehrt zu erkennen, dass nunmehr alle Beschwichtigungen und Erläuterungen seine Herrin nur weiter reizen würden. Für einen endlosen Moment lauschte er ihrem vor Ärger und Empörung schnaufenden Atem und spürte ihren wütenden Blick wie Messerstiche in seinem Gesicht. Erst dann kamen die erlösenden Worte.
"Geht aus meinen Augen!"
* ''Die Geschichte um Domna Praiosmin und Domnito Aureolus wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 13|Schauplatz: Selaque, Teil 13]]''
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'''Autor:''' [[Benutzer:Ancuiras|Ancuiras]]
'''Baronie Selaque, 30. Praios 1033 BF nachmittags
Am Rande eines Weges'''
"Dort hinauf sind sie gezogen, Herrin. Viele bewaffnete Söldner- und Rittersleut'! Mehrere Dutzend waren es, ich hab' sie mit eigenen Augen gesehen!" Die schmutzstarrende Frau hielt ihren Hut in den Händen und ihre beiden Begleiter nickten wie wild.
Morena Solivai von Harmamund beäugte die drei Hirten misstrauisch. Erzählten sie ihr nur, was sie hören wollte, um noch ein paar Kupferheller zu ergattern? Oder war das endlich der erste brauchbare Hinweis auf die gräflichen Truppen, von denen ihr Onkel geschrieben hatte? Sie war schon kurz vorm Aufgeben gewesen, doch ein ganzes Banner konnte sich doch nicht in Luft aufgelöst haben! Falls es stimmte, dass sie Selaque schon erreicht hatten. Stundenlang waren sie geritten, doch sie hatten kaum jemanden angetroffen, den sie hätte fragen können. Die meisten Bewohner Selaque waren vor den Ferkinas in die Burg der Vögtin geflohen.
"Wohin führt der Weg?", fragte sie barsch.
"Nirgendwohin, Herrin. In die Wildnis, die Berge. Da gehen sonst nur wir hin, Euer Gnaden, außer... "
"Weil wir die versteckten Pfade kennen, und wissen, wie wir uns vor den Ferkins verbergen können!", meldete sich der andere Hirte zu Wort.
"Nichts ist da oben, Herrin, und niemand!"
"Doch, das Steinbrecherdorf Grezz..."
"Aber das ist verlassen!", schnitt ihm die Frau das Wort ab und schob ihren schmächtigen Begleiter zur Seite. Offenbar wollte sie sich das Geschäft verderben lassen. "Da braucht man einen kundigen Führer, wenn man..."
"Ruhe!", herrschte Berengar die drei Hirten an. Morena warf dem Condottiere einen dankbaren Blick zu. Sie kannte den untersetzten bärtigen Mann schon seit vielen Jahren. Er war schon vor dessen Kerkerhaft im Dienste ihres Onkels gewesen. So hatte sie sofort gewusst, dass er vom Puniner Generalcommando gekommen war.
Morena musste nachdenken. Warum waren Dom Rondrigo und der Dubioser Baron nicht nach Selaque gekommen, um Praiosmin ihre Unterstützung anzubieten? Nun gut, ihr vordringlichster Auftrag war es, die Grafentochter zu finden, aber es wäre mehr als üblich gewesen, der Lehnsherrin des Landes, das man mit einem Heerbann durchquert, die Aufwartung zu machen...
Auch wenn diese Lehnsherrin zugegebenermaßen ziemlich eigenwillig und hitzköpfig war. Mit Vorsicht zu genießen. Deshalb hatte sich Morena lieber von Burg Albacim entfernt, denn die Order ihres Onkels hätte der alten Vettel nicht geschmeckt.
Berengar hatte Morena mit den eindringlichen Worten ihres Onkels zu verstehen gegeben, dass sie sich aus der Adelsfehde in Selaque heraus zu halten hatte. Weil der Kaiser keinen Streit wollte. Morena sah dies ja durchaus ein, aber so schnell wollte sie sich von der Aussicht, über das Vanyadal zu herrschen, nicht verabschieden. Endlich ihre eigene Burg, ihr eigenes Lehen! Dreimal zwölf Jahre war sie nun schon alt, und noch immer eine Caballera im Dienste der Mutter! Nicht einmal die Möglichkeit eines lukrativen Traviabundes hatte ihr offen gestanden, nachdem ihre Familia aufgrund der Verfehlungen ihres Herrn Onkels wie die Zorgan-Pocken gemieden wurde. Bei Rondra und Phex! Das Castillo war bereits erobert, wartete nur auf ihren Einzug! Es musste doch einen Weg geben, Nutzen aus der Lage zu ziehen, ohne den Unwillen des Kaisers zu erregen? Aber wie?
"Wollt ihr der Spur folgen, Domna?" Berengar de Comino wies in Richtung des Vorgebirges, das im Licht des sich senkende Praiosschildes immer längere Schatten warf.
Trotz der sommerlichen Hitze fröstelte es Morena. Ferkinaland. Nun, daran würde sie sich gewöhnen müssen, wenn sie in diesen Gefilden herrschen wollte. "Ja, natürlich!", sagte sie entschlossen. Sie riss ihr Pferd herum, so dass die Hirten zur Seite springen mussten. Ihre Dienste hätten hilfreich sein können, aber sie waren zu langsam. Und wenn es stimmte, was sie sagten, würden sie bald auf eine Straße treffen. Die Spuren so vieler Reiter und Fußsoldaten würde sogar ein Blinder finden. Beiläufig warf sie ihnen ein paar Münzen vor die Füße, mehr Kreuzer als Heller.
"Wir müssen den Brief des Marschalls überbringen!"
* ''Die Geschichte um Domna Morena wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 11|Schauplatz: Selaque, Teil 11]]''