Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 05: Unterschied zwischen den Versionen

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"Seht Euch das an!", drehte sie sich schließlich grinsend zu Rifada um und wedelte mit einem verschnürten Stapel Briefe, griff dann erneut in die Kiste und zog ein Medaillon hervor. Noch immer breit grinsend, erhob sie sich und drückte der Junkerin die Briefe gegen die gepanzerte Brust. "An den Schrotensteiner", sagte sie. "Von Eurer besonderen Freundin!"
"Seht Euch das an!", drehte sie sich schließlich grinsend zu Rifada um und wedelte mit einem verschnürten Stapel Briefe, griff dann erneut in die Kiste und zog ein Medaillon hervor. Noch immer breit grinsend, erhob sie sich und drückte der Junkerin die Briefe gegen die gepanzerte Brust. "An den Schrotensteiner", sagte sie. "Von Eurer besonderen Freundin!"
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] 
"Hahaha! Damit brech ich ihr endgültig das Genick!" schaute Rifada frohlockend auf das mit einer Kordel verschnürte Bündel Briefe, die tatsächlich von der Hand Praiosmins stammten. Die penibelst saubere Handschrift ihrer Lehnsherrin, in der ihr diese früher von Zeit zu Zeit Befehle und Ermahnungen geschickt hatte, würde sie unter Tausenden wiedererkennen, da sie sich früher oft gefragt hatte, ob die Selaquerin für ihre Post eigens einen Kalligraphen in Lohn und Brot hielt. Sie zog einen Brief aus dem Bündel hervor, entfaltete ihn und begann ihn zu überfliegen, während sie sich den restlichen Stapel mit der anderen Hand unter den Harnisch schob.
"Nun hör sich einer das an! Sie nennt das Verräterschwein ''Raihé coulu'' - was ist das für ein lächerlicher Name? - und weiter ''mein Geliebter'' und ''Dieb meines Herzens'' und warnt ihn vor [[Amando Laconda da Vanya|Amando]], der in Schrotenstein und Selaque nach ihm und einem gewissen Aureolus suchen lassen würde. Die Briefe bringe ich dem Oheim mit, verlasst euch drauf! Darüber vergisst er dann, nach unserem kleinen Heiler zu fragen, und die Tage dieser heuchlerischen fetten feisten Dämonenbuhle in Selaque sind ein- für allemal gezählt, sobald diese Briefe auch in der Hofkanzlei landen."
"Das Amulett ist, glaube ich, ein Schutzzeichen gegen Beherrschungsmagie" mutmaßte Moritatio, der sich den Anhänger dankbar von Richeza reichen ließ.
"Hm? Was weißt Du den schon davon?" frug ihn seine Mutter argwöhnisch.
"Doch, doch! Hohe Würdenträger bei Hofe tragen zuweilen ein ähnliches Amulett, ich habe es schon häufig in der Residencia gesehen. Ich glaube, sie haben sie vom Ersten Hofmagier erhalten - insbesondere Mitglieder des Cronrats."
Rifadas Miene blieb skeptisch, aber sie warf Richeza einen Blick zu, was diese davon hielt. Praiosmin von Elenta war Rondraseidank kein Cronrats-Mitglied, aber wie sollte sie an das Amulett eines solchen gelangt sein?
"Mutter! Seht Euch das an!" deutete Moritatio erschrocken auf eine schmale ledergebundene Kladde, die unter dem aufgeschlagegen Buch lag. Auf der Vorderseite prangten in der krakeligen Handschrift Domna Ligurias zwei Worte: DA VANYA.
"Was zum ...?" Moritatio wollte die Akte hervorziehen, aber Rifada war schneller, ergriff sie und schlug sie auf. Sie enthielt nur einige wenige Pergamentblätter, offenbar eine Art Sammlung von kurzen Notizen, in der säuberlich nach Datum sortiert Vermerke über sie selbst standen:
''23. Praios 1029 BF - R.d.V. mißachtet lehnsrechtlichen Entzug Elentas und lässt sich drei Ochsen nach Castillo da Vanya bringen. 15. Hesinde 1029 BF R.d.V. lässt 20 Elenter Bauern Hand- und Spanndienste im Vanyadâl ableisten, 1. Praios 1030 BF R.d.V. bleibt Greifenprozession zur Sommersonnenwende fern. 16. Praios 1030 BF ...''
Mit einem wütenden Aufschrei warf sie die Kladde da auch schon zum Fenster hinaus, daß die armen Schwalben erschrocken nach allen Seiten aus ihrem Nest stoben. "Ihr Glück, dass sie bereits tot ist!" schnaubte Rifada die während der Lektüre erst kalkweiß und dann feuerrot vor Wut geworden war. "Ich konnte diese Liguria noch nie leiden und ganz offensichtlich hat mich mein Gefühl nicht betrogen! Los jetzt!", machte sie Richeza und Moritatio Beine, die sie erschrocken anstarrten. "Keine unnötige Zurückhaltung mehr! Nehmt hier alles auseinander und stellt alles auf den Kopf, was nicht niet- und nagelfest ist! Es müsste ja mit dem Namenlosen zugehen, wenn sie ausgerechnet bei unserem Heiler nicht auch jeden von dessen Latrinengängen dokumentiert hätte!"
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
"Das war nicht klug!", sagte Richeza, nachdem sie sich wieder gefasst hatte und nickte in Richtung des Fensters, aus dem das Büchlein geflogen war. Das Fenster nämlich ging zur Vorderseite des Turmes hinaus, und möglicherweise war es Dom Hernán und seinen Leuten geradewegs auf die Köpfe gesegelt. Um deren Köpfe aber machte sich die Edle weit weniger Sorgen, als dass das Buch weiteren Anlass zum Streit geben könne.
"Los!", forderte sie Moritatio auf. "Hol es zurück!" Sie stutzte kurz, als ihr auffiel, dass Rifadas Freundlichkeit bereits auf sie abzufärben begann und bemühte sich, zumindest ein Lächeln hinterherzuschicken. "Ich denke, du würdest deiner Mutter damit einen Dienst erweisen."
Während der arme Moritatio wieder einmal lautstark sämtliche Treppen hinunter trampelte, durchsuchten die beiden Frauen die Dachkammer. In Domna Praiosmins Truhe befanden sich noch ein schmuckloser Silberring, eine verwelkte und bei Berührung bröselnde Rosenblüte und der ausführliche Bericht eines Medicus über den Verlauf der Kerkersieche, den die Domna sich [[Annalen:1021|1021]] BF während ihres Aufenthalts in Al'Muktur zugezogen hatte.
Obwohl sie sämtliche Kisten, Bücher und Schriftrollen durchwühlten, konnten die beiden Frauen nirgendwo den Namen 'Tsacharias' finden. Frustriert schleuderte Richeza schließlich die Kiste von Alrike Sensendengler an die Wand, die lautstark zerbarst und einen Regen Hühnerknochen freisetzte. Die Mehlschwalbe, die zum Fenster hineingeflogen war, um hoch oben ihre Jungen zu füttern, ergriff die Flucht und ließ ihre leise piependen Küken zurück.
"Weiter!", sagte Rifada, "unten sind noch mehr Kisten!"
Während Rifada die Asservatenkammer im ersten Obergeschoss vornahm. Widmete Richeza sich der Schreibstube im zweiten Stock. Nach einer Weile wurde sie tatsächlich fündig. Kurz darauf kam ihre Tante mit einer Truhe unter dem Arm wieder herauf gestampft.
"Hier steht wirklich was zu Tsacharias", erklärte Richeza, die einen ganzen Stapel Papier in der Hand hatte, der ursprünglich wohl zusammengebunden gewesen war; das Band hing ihr über der Schulter. "Scheint aus einer Hirtenfamilie zu stammen, die rund um Elenta verteilt leben. Er selbst hatte eine Kate am Waldrand, irgendwo auf dem Weg Richtung Selaque. Ist aber schon zwei Jahre her, scheint so, als wäre er vor der Praiotin in die Berge gejagt. Trotzdem: Vielelicht sollten wir uns dort mal um…"
Sie unterbrach sich und hob die Hand um zu lauschen. Jetzt hörte Rifada es auch: Waffenlärm! Da draußen wurde gekämpft!