Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 15: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 355: | Zeile 355: | ||
Aureolus hob die Faust und wartete, bis das Knurren des Hundes so nah war, dass er sich sicher war, dass das Biest an der Biegung des Ganges stand – in Sichtweite also, hätte man etwas gesehen. Aureolus konzentrierte sich auf die Laute des Hundes, ortete ihn in der Dunkelheit, formte den Spruch in seinem Geist, dann lautlos mit seinen Lippen: ''Horriphobus!'' Seine Faust schnellte in Richtung des unsichtbaren Tieres. | Aureolus hob die Faust und wartete, bis das Knurren des Hundes so nah war, dass er sich sicher war, dass das Biest an der Biegung des Ganges stand – in Sichtweite also, hätte man etwas gesehen. Aureolus konzentrierte sich auf die Laute des Hundes, ortete ihn in der Dunkelheit, formte den Spruch in seinem Geist, dann lautlos mit seinen Lippen: ''Horriphobus!'' Seine Faust schnellte in Richtung des unsichtbaren Tieres. | ||
Das panische Aufheulen des Hundes zeigte ihm, dass der Zauber wirkte. Kreischend, als litte er Höllenqualen, preschte der Hund in die Finsternis davon, dorthin, wo er hergekommen war. Aureolus hörte es Poltern und Scheppern und das Fluchen eines Mannes, während er dem sich rasch entfernenden Tier nachlauschte. | Das panische Aufheulen des Hundes zeigte ihm, dass der Zauber wirkte. Kreischend, als litte er Höllenqualen, preschte der Hund in die Finsternis davon, dorthin, wo er hergekommen war. Aureolus hörte es Poltern und Scheppern und das Fluchen eines Mannes, während er dem sich rasch entfernenden Tier nachlauschte. 'Kommt nur her!', dachte er grimmig, während er sich seinen Stab in ein Seil verwandeln ließ und ihm befahl, sich an einem Vorsprung in der Höhe festzumachen, den er vor dem Erlöschen der Fackel gesehen hatte. Gewandt zog sich der junge Zauberer am Seil nach oben, legte sich bäuchlings auf den Felsvorsprung und holte das Seil ein. Mal sehen, wer da kam, und wie er das Wissen für sich nutzen konnte ... | ||
---- | |||
'''Autor''': [[Benutzer:Simanca|Simanca]] | |||
Von Raffzahns urplötzlichem Gejaule und Rückzug gleichermaßen überrascht, hatte Zaida nicht mehr rechtzeitig beiseite springen können und war von dem massigen Hund umgerannt worden. Mehr aus Reflex hatte sie noch versucht, ihn an der Rute zu packen und am Wegrennen zu hindern, doch mehr als ein Büschel Fell in Händen hatte ihr das nicht eingebracht. | |||
Leise ächzend setzte sie sich auf und besann sich dann. Wenn irgendetwas da vorne Raffzahn so in Angst versetzen konnte, dann wollte sie diesem Etwas sicher nicht allein gegenübertreten. Jedenfalls nicht, wenn sie nicht sehen konnte, was es und wo es war. Mit diesem Gedanken schob sie sich eilig zur Seite und zuerst in die Deckung des Felsens der Gangbiegung und dann langsam weiter zurück. | |||
So panisch hatte sie noch keinen Hund erlebt, noch nicht einmal diesen alten Angsthasen von Jagdhund, der bei ihnen daheim dem Waidmann Jacobo gehört und der sogar Angst vor seinem eigenen Schatten hatte und daher immer nur zur Mittagsstunde auf die Hatz geschickt wurde. | |||
„Was machen wir denn jetzt? Da vorne leuchtet es so blau und grünlich und ich höre Wasser tropfen. Ist das vielleicht die Höhle, zu der wir müssen? Oder sollen wir lieber wieder zurück?“ Ihre gedämpfte Stimme klang nervös und sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, als sie sich wieder zu den drei Männern gesellt hatte. So ganz ohne Raffzahn fühlte sie sich nicht mehr ganz so tapfer und rückte unwillkürlich näher an Dom Gendahar heran. Der war zumindest nicht so mieseboronisch wie Dom Moritatio. Nunja, Nomen est irgendwas oder so. | |||
Erwartungsvoll sah sie von einem der beiden Männer zum anderen. | |||
---- | |||
'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Statt Dom Gendahars, der sich beim Versuch, dem anstürmenden Hund auszuweichen, den Kopf gestoßen hatte, und Dom Moritatios, den Raffzahn über den Haufen gerannt hatte und der sich fluchend aufrappelte, antwortete Tsacharias Krähenfreund: | |||
"Ja, mein Kind. Das ist die Höhle dort vorne." Der Alte schien noch immer sehr schwach. "Bringt mich dorthin. Keine Angst", sagte er zu Zaida und tastete im Zwielicht nach ihrem Gesicht, um es etwas unbeholfen zu tätscheln. "Raffzahn ist ein Feigling. Wahrscheinlich haben ihn die Geister erschreckt." | |||
"Die Geister?", fragte Moritatio wenig erfreut von hinten, während Gendahar sich mit seiner Last vorwärts bewegte. | |||
Kurz darauf kamen sie an eine Abzweigung. Der Gang führte weiter geradeaus in die Dunkelheit. Von rechts wurde es allmählich heller. Auf Tsacharias' Anweisung bogen sie dorthin ab. Bald tauchten in der Decke des Ganges vereinzelt kleine leuchtende Steine auf, die ein bläuliches und bald grünliches Licht von sich gaben. Der Gang wurde breiter und höher, sodass auch die Männer nicht mehr die Köpfe einziehen mussten. Statt der grünlichen Steine tauchten immer mehr orangene auf, bis der Tunnel endlich in eine sehr große Höhle mündete, in der Hunderte winziger Steine ein warmes Zwielicht spendeten. Wasser bedeckte die hinteren zwei Drittel der Höhle. Irgendwo rechts plätscherte ein Rinnsal, das den See speiste. | |||
"Dorthin", wies Tsacharias über die Schulter Dom Gendahars auf einen flachen Felsen, der in den See hineinragte. Der Streitzig, der seit dem Begräbnis seiner Base sehr still geworden war, setzte den alten Mann vorsichtig auf dem Felsen ab. | |||
"Haltet ein!", rief der Alte plötzlich lauter, als er es den ganzen Tag über gewesen war. Dom Gendahar starrte ihn an, aber der Ruf galt nicht ihm, sondern dem jungen da Vanya, der sich soeben anschickte, die Hände ins Wasser zu tauchen, um den Staub abzuwaschen. "Berührt das Wasser nicht!" | |||
"Was soll das nun wieder?", grollte Moritatio. | |||
"Seid vorsichtig!", erklärte der Krähenfreund. "Verärgert die Geister nicht! Dies ist ein mächtiger Ort. Und ein gefährlicher. Tretet vom Wasser zurück!" | |||
Als die anderen ihm, mehr oder weniger widerwillig, Folge geleistet hatten, verschränkte er die Beine im Elfensitz, legte die Hände mit den Handflächen nach oben auf die Knie, Daumen und Zeigefinger aneinandergelegt, und schloss die Augen. "Setzt euch", sagte er sacht, "und tut mir nach." Doch er achtete nicht mehr auf die Männer und Zaida und verfiel in Schweigen. Hätte sein Brustkorb sich nicht leicht gehoben und gesenkt, hätte man glauben können, er sei erstarrt oder gestorben. | |||
Leichter Nebel stieg über dem See auf, und das Licht der Leuchtsteine brach sich in den Tröpfchen. Bald flimmerte und funkelte der Dunst in allen Farben des Regenbogens, das Wasser benetzte die Haut des Alten und ließ sie jünger und frischer aussehen. Die Luftfeuchtigkeit nahm zu – bis die feinen Tropfen Haare und Kleider auch der Männer und des Mädchens bedeckten. Das kühle Wasser kitzelte auf der Haut und wirkte belebend. | |||
Als der Alte erneut zu sprechen begann, war seine Stimme warm und ruhig und strahlte einen Frieden aus, der die Sorgen der letzten Tage ein wenig unbedeutender erscheinen ließ. | |||
"Ihr guten Geister, ihr friedlichen Seelen", sprach er. "Wir kommen an diesen Ort, der euch heilig ist, als eure Gäste. Lasst von eurem Zorn und begegnet uns mit Gleichmut. Respektiert unsere Not, wie auch wir eure Ruhe respektieren. Wir bitten euch, die ihr an diesem Ort wacht: Lasst uns gewähren in Demut vor den Kräften, die hier waren von Anbeginn, mit denen ihr eins geworden seid und die hier sein werden, bis die Zeit für den Wandel gekommen ist. Tsa schenke euch ein neues Leben, wenn es an der Zeit ist." | |||
Dann tauchte er behutsam seine Hände ins Wasser, zeichnete sich mit dem Zeigefinger den Kreis des Lebens auf die Stirn, schöpfte etwas Wasser und trank davon. Ein paar Mal atmete er mit geschlossenen Augen langsam ein und noch langsamer wieder aus, dann winkte er Zaida, ihm sein Bündel zu bringen und entnahm ihm eine Kalebasse, die er behutsam ins Wasser tauchte. | |||
"Setzt Euch", bat er Dom Gendahar und wies auf einen Stein in der Nähe. "Ich will mir Eure Wunde ansehen." Als der Streitzig erstaunt die Augenbrauen hob, lächelte der Alte. "Ihr bewegt den Arm, als hättet Ihr Schmerzen. – Oh, das sah mal schlimm aus," sagte er, als der Vogt sein Hemd geöffnet hatte. Die knochigen Finger des Mannes tasteten Dom Gendahars Schulter ab, dann hieß er den Mann, sich zurückzulehnen und goss etwas Wasser aus der Kalebasse über die Wunde. Es war keine offenkundige Veränderung zu erkennen, doch die Behandlung schien dem Streitzig nicht unangenehm zu sein. | |||
Schließlich griff Tsacharias nach Zaidas Hand, drückte sie und hielt dem Mädchen lächelnd die Kalebasse hin. "Fülle sie erneut für dich und den jungen Mann. Sei sacht und bedenke, dass jeder Tropfen ein Geschenk ist, das uns gewährt wird. Erfülle beim Schöpfen deinen Geist mit Frieden und danke den Geistern für ihren Großmut." | |||