Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 27: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 21. Juni 2012, 07:42 Uhr
In Kaiserlich Selaque, 4. Rondra 1033 BF
Auf der Straße von Schrotenstein nach Selaque
4. Rondra, bei Sonnenaufgang
Autor: SteveT
"Domnas! Seht Euch das an!"
Der überrascht klingende Ausruf von einem der beiden Knappen des alten Caballeros von Wetterwacht ließ Gujadanya und Jelissa aufsehen, denen eine leichte Müdigkeit ob des nächtlichen Aufbruchs aus Schrotenstein in den Gliedern steckte. Die beiden Achmad'sunni folgten dem Fingerzeig des Domnitos, der etwas abseits der durch vertrocknete Felder führenden Straße auf einen Hain oder ein kleines Wäldchen deutete, an dessen Rand eine große Gruppe von Menschen lagerte. Auch einige Pferde stapften grasend um sie herum, und das erste Licht des im Osten hinter den gigantischen Gipfeln des Raschtulswalls aufgehenden Praiosrunds offenbarte, dass nicht wenige dieser Menschen Panzer und Waffen trugen - eigentlich sogar fast alle.
Gujadanya hielt Jelissa auffordernd ihre leere, ausgestreckte Hand entgegen und ohne dass sie ein Wort sagen musste, zog die alte Seneschallin der Keshal Rondra ein kostbares tulamidisches Fernrohr aus ihrer Satteltasche und legte es in die Hand ihrer einstigen Schwertknappin.
Gujadanya zog den wertvollen Ordensbesitz achtsam auseinander, kniff ihr linkes Auge zu und hielt sich das Fernrohr vor das rechte. Langsam ließ sie ihr nunmehr kreisrundes Blickfeld über die Gesichter der einzelnen Männer und Frauen wandern, die sich dort - vielleicht eine halbe Meile entfernt - gerade schwerfällig vom Feldboden erhoben, der ihnen als Nachtlager gedient hatte. Einige klopften sich Erde und Grasbüschel von der Gewandung, andere versetzten den offenbar noch Schlafenden leichte Tritte, damit diese ebenfalls auf die Beine kamen.
Es waren insgesamt sicher dreißig oder vierzig Männer und Frauen, und einige Visagen kamen Gujadanya durchaus vertraut vor. Es waren Selaquer, wie sie selbst, - allerdings keine Vanyadaler oder Elenter, sondern größtenteils Bewohner des Marktes und Vogtsitzes Selaque selbst - somit halbfreie Untertanen und Hörige von Praiosmin! Was hatten diese Städter hier an der Grenze zu Schrotenstein, fernab der Heimat zu suchen? Das grün-weiße Banner Selaques mit dem Marmorblock wehte provokativ neben ihnen, an einer Lanze, die neben dem Feldlager in den Boden gerammt war.
Irgendein junger, recht gutaussehender Bursche, der noch besser als alle anderen gepanzert war, klatschte gerade in die Hände und schien den Leuten Beine zu machen, auch wenn Gujadanya nur seinen sich öffnenden und schließenden Mund sah - zu hören oder gar zu verstehen war auf diese Entfernung natürlich nichts.
"Was ist das für ein Pack, das sich da breitmacht?", ritt die schöne Delicia von Sebeloh an ihre Seite und streckte auffordernd die Hand nach dem Fernrohr aus.
"Selaquer!", antwortete Gujadanya knapp. "Bewaffnet, als ob sie in den Krieg ziehen würden!" Sie schüttelte den Kopf und gab das Fernrohr an Jelissa zurück, die ebenfalls einen Blick hindurch warf und es dann wieder zusammenschob und in ihre Satteltasche steckte.
Hätte Gujadanya nur einen Augenblick länger durch das Fernrohr geschaut, so hätte sie Morena von Harmamund und deren Waffenknecht Berengar erkannt, die ebenfalls am Rande des Selaquer Aufgebots gelagert hatten. So aber entgingen diese beiden ihrem Blick.
"Ihr habt gehört, was ich heute Nacht zu Euch gesagt habe", wiederholte Domna Delicia nochmals ihre Worte: "Wenn wir auf Praiosmins Schergen treffen, so greifen wir an und schleichen uns nicht wie feige Weiber um sie herum!"
Gujadanya nickte bedächtig. Wären es Gemeine aus Elenta oder gar aus Vanyadâl gewesen, so wäre ihre Entscheidung vielleicht eine andere gewesen - aber für die Bewohner Selaques empfand sie keinerlei Sympathie oder Mitleid. "Das fette Goldfass hat diese Leute ausgeschickt, um Schrotenstein oder Wildenfest anzugreifen! Sie will uns nicht nur die Stammburg nehmen, sondern offenbar all unsere Burgen."
Sie knotete ihr langes schwarzes Haar zu einem festen Zopf und stülpte sich dann den Rossschweif-geschmückten Amazonenhelm aufs Haupt. "Wir sind nur einundzwanzig - sie sind doppelt so viele! Aber dafür weiß jede und jeder von uns, wie man kämpft, und sie sind nur Bauern, Ziegenhirten und Steinklopfer! Zeigen wir ihnen, dass sie hier nichts verloren haben und dass es für sie nichts zu gewinnen gibt, außer den Tod! Wer von ihnen heimwärts flieht, den lassen wir laufen - wer aber den Kampf sucht, der soll ihn auch bekommen! Vorwärts! Wir geben ihnen keinen Schritt Boden preis!"
"Wohl gesprochen, Frouwe Gujadanya!", pflichtete ihr Ritter Giromo bei und legte in großer Geste eine Hand auf die Brust. "Das erinnert mich an die Losung Escaladas der Eisernen weiland im 305er Jahr! Lasst nun unsre Schwertersingen - säuselnd wie des Todes Schwingen - unsrer Feinde vergebenes Ringen - ihr Untergang ward prophezeit!"
Gujadanya verdrehte die Augen und zog ihren Säbel. "Los! Wir greifen sie an, ehe sie richtig auf den Beinen sind! Hühaaaa!"
Sie trieb ihr Pferd mit einem Schenkeldruck vorwärts, und auch alle anderen Berittenen an ihrer Seite taten es ihr gleich. Die Wildenfester Fußsoldaten verfielen in Laufschritt. Einzig Ritter Giromo und seine beiden Knappen blieben noch zurück.
"Reich mir die Lanze, Padro!", befahl der alte Caballero von Wetterwacht feierlich. "Und dann gebt fein acht, ihr Buben! Ihr werdet nun Zeuge von einem meiner berühmten Sturmantritte, vor denen noch immer den Briganten und Schurken nah und fern die Knie schlottern!"
"Ähm, Ihr solltet Euch besser eilen, Herr!", deutete Alessio ganz sachlich den bereits fünfzig Schritt entfernten Amazonen hinterher. "Wenn Ihr mit Rondrinante jetzt nicht auf der Stelle losreitet, ist das Scharmützel vorüber, bis Ihr überhaupt dort unten angekommen seid!"
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