Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 05: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]] | '''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]] | ||
„Ei, sieh an, wer sich da als Leichenfledderer betätigt. Ob das seine werte Frau Mama weiß?“, grinste Anzures auf ihn herunter, und auch der eine oder andere der Mercenarios rückte näher. Wo es vermeintlich Beute zu verteilen gab, da war der gemeine Mietling nie weit, auch wenn es natürlich niemand gewagt hätte, den Leichnam der Inquisitorin auf solche Habseligkeiten zu durchsuchen, die ihr wo auch immer ihre Seele hingegangen sein mochte, nicht mehr von Nutzen sein würden. Wenn aber nun freilich ein Dritter solch frevelhafte Schuld auf seine Seele laden wollte... | „Ei, sieh an, wer sich da als Leichenfledderer betätigt. Ob das seine werte Frau Mama weiß?“, grinste Anzures auf ihn herunter, und auch der eine oder andere der Mercenarios rückte näher. Wo es vermeintlich Beute zu verteilen gab, da war der gemeine Mietling nie weit, auch wenn es natürlich niemand gewagt hätte, den Leichnam der Inquisitorin auf solche Habseligkeiten zu durchsuchen, die ihr wo auch immer ihre Seele hingegangen sein mochte, nicht mehr von Nutzen sein würden. Wenn aber nun freilich ein Dritter solch frevelhafte Schuld auf seine Seele laden wollte ... | ||
„Ein Schlüssel?“, blinzelte der Baron indes ungerührt. Das konnte ja nur bedeuten, dass etwas Vielversprechendes gefunden worden war, wozu man den immerhin von Domna Liguria an ihrem Hals verwahrten Schlüssel benötigte, und nachdem es den Domnas im Turm – im Gegensatz zu dem einen oder anderen draußen – wohl kaum um Gold und Wertsachen ging, schien man wohl dem Heiler auf der Spur zu sein. | „Ein Schlüssel?“, blinzelte der Baron indes ungerührt. Das konnte ja nur bedeuten, dass etwas Vielversprechendes gefunden worden war, wozu man den immerhin von Domna Liguria an ihrem Hals verwahrten Schlüssel benötigte, und nachdem es den Domnas im Turm – im Gegensatz zu dem einen oder anderen draußen – wohl kaum um Gold und Wertsachen ging, schien man wohl dem Heiler auf der Spur zu sein. | ||
„Ja, Euer | „Ja, Euer Hochgeboren“, sprach der junge da Vanya, und erhob sich rasch, um sogleich einen Schritt zwischen sich und die beiden Aranjuezer zu bringen. „Die Privaträume Domna Ligurias sind verschlossen, und meine Frau Mutter möchte nicht mehr Schaden anrichten als nötig.“ | ||
„Soso ...“, schmunzelte der Baron amüsiert, derweil sich der eine oder andere der Söldner ein Lachen nicht verkneifen konnte. Domna Rifada hatte bislang nicht den Eindruck gemacht, als scherte sie sich sonderlich um die Schäden, die sie links und rechts ihres Weges anrichtete. „Wir werden hier warten“, entließ Hernán von Aranjuez schließlich Moritatio, der sich sputete, den Schlüssel abzuliefern. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
"''Ich'' habe eine romantische Vorstellung von den Männern?" [[Richeza Aldonaza von Scheffelstein|Richeza]] blieb einen Moment der Mund offen stehen. "Nein, Tante!", sagte sie dann. "Ihr mögt recht haben: Viele sind Idioten, grausam auch und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Aber alle? Ihr kennt meinen Großvater! Ihr könnt über ihn sagen, was Ihr wollt, aber er ist ein Mann von Ehre! Er hat das Wohl der Menschen im Blick, nicht nur sein eigenes, glaubt mir! Und Ramiro: Er hat sich oft auf meine Seite gestellt. Aber doch nicht, weil er irgendwann ... Gefälligkeiten ... ich meine: mein eigener Onkel? Niemals! Ihr wollt doch nicht allen einfach die Ehre absprechen, oder?" | |||
Sie suchte in [[Rifada da Vanya|Rifadas]] Gesicht nach einer Antwort, doch ihre Tante schaute angestrengt nach unten, von wo bereits eilige Schritte auf der Treppe erklangen. Einen Moment herrschte Schweigen, und Richeza runzelte die Stirn, schien über die Worte ihrer Tante nachzudenken. Doch bevor eine der beiden Frauen das Gespräch fortsetzen konnte, erschien Moritatio am Aufgang der Wendeltreppe. | |||
„Dom Hernán und seine Leute scheinen aufbrechen zu wollen“, berichtete er schulterzuckend. „Jedoch sagte er, sie würden noch draußen warten ...“ Er bemerkte den Blick nicht, den seine Tante und seine Base einander zuwarfen, wunderte sich aber, dass keine von beiden etwas erwiderte. Als seine Mutter ihn schroff anfuhr, er solle den Schlüssel herausgeben, zuckte er kurz zusammen und reichte die Kette mit den Schlüsseln an Richeza durch. | |||
Die Edle schloss die Tür auf. Dahinter befand sich ein weiterer Treppenabsatz mit einem Fenster, von dem aus man über das verheerte Dorf blickte. Die Wendeltreppe ging weiter hinauf. Nach einigen Stufen folgte erneut ein Absatz, diesmal mit einer kleinen Tür, aber die Treppe war noch nicht zu Ende. Nach kurzem Zögern öffnete Richeza die Tür. Ein Bett, Truhen, ein Waschtisch und eine Kommode deuteten darauf hin, dass es sich bei der Kammer um Domna Ligurias Schlafgemach handelte. | |||
Richeza ließ die Tür offen stehen, stieg aber weiter die Treppe hinauf, die bald darauf vor einer angelehnten Tür endete. Der dahinter liegende Raum schien eine Wohnstube zu sein. An einem Dachbalken, nahe einer Fensteröffnung, hing ein Schwalbennest, aus dem ab und an schwarzweiße Köpfchen auftauchten. Neben einem Kamin war Feuerholz gestapelt, auf einem Beitisch standen einige Töpfe, Krüge und Tiegel. Ein angeschnittener Laib Brot war auf dem Tisch vertrocknet. Angewidert schnippte die Edle einige Kakerlaken zu Boden, die sich über das gefundene Fressen hermachten. | |||
Im Zentrum des Raumes stand ein Lehnstuhl vor einem Eichentisch. Mehrere Bücher und einige Schriftrollen lagen über den Tisch verteilt, ein geöffnetes Tintenfässchen mit eingetauchter Feder stand auf einem halb beschriebenem Pergamentbogen. An der Wand neben dem Tisch stapelten sich einige weitere Kisten, so wie jene, die sie bereits im ersten Stock gesehen hatten. | |||
Die oberste war mit "Alrike Sensendengler" beschriftet. Sie enthielt einige Tiegelchen, ein Taschentuch mit einem Blutfleck, eine Handvoll Tierknochen und eine Räucherschale. Richeza ließ die Gegenstände wahllos durch ihre Hand gleiten und warf sie zurück in die Kiste. Gerade wollte sie sich zu ihrer Tante und ihrem Vetter umdrehen, die vor dem Tisch stehen geblieben waren, als ihr Blick auf die Beschriftung einer weiter unten stehenden Truhe fiel. Leise piff die Edle durch die Zähne, zog die Truhe hervor, ohne verhindern zu können, dass einige der Kisten durcheinanderpurzelten, und öffnete sie. | |||
"Seht Euch das an!", drehte sie sich schließlich grinsend zu Rifada um und wedelte mit einem verschnürten Stapel Briefe, griff dann erneut in die Kiste und zog ein Medaillon hervor. Noch immer breit grinsend, erhob sie sich und drückte der Junkerin die Briefe gegen die gepanzerte Brust. "An den Schrotensteiner", sagte sie. "Von Eurer besonderen Freundin!" | |||