Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 13: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Charrizul iban Buskurzuf]] griff sich böse knurrend an sein verletztes Bein, in daß ihn der junge Krieger der Yil'Hayatim gestochen hatte. Dafür würde er ihn eigenhändig zu Tode martern, wenn er das Versteck seiner Anführerin erst verraten hatte. Aber dazu musste er ihn vor den Shâr oder Nuranshâr schleifen, denn er selbst verstand das Gewinsel der Blutlosen einfach nicht.<br> | [[Charrizul iban Buskurzuf]] griff sich böse knurrend an sein verletztes Bein, in daß ihn der junge Krieger der Yil'Hayatim gestochen hatte. Dafür würde er ihn eigenhändig zu Tode martern, wenn er das Versteck seiner Anführerin erst verraten hatte. Aber dazu musste er ihn vor den Shâr oder Nuranshâr schleifen, denn er selbst verstand das Gewinsel der Blutlosen einfach nicht.<br> | ||
Rustam war noch ein dummer Junge, blind in seiner Geilheit für das schwarzlockige Mädchen. Wenn ihn der goldhaarige Krieger gleich tötete, so mußte Charrizul auch diesen bezwingen - dazu musste er den bartlosen Jüngling aber erst schnell kampfunfähig machen, der hin- und her hopste, als kämpfe er barfuß auf glühenden Kohlen. <br>Mit dem lauten imitierten Schrei eines Schakals stürzte er sich erneut auf Moritatio. | Rustam war noch ein dummer Junge, blind in seiner Geilheit für das schwarzlockige Mädchen. Wenn ihn der goldhaarige Krieger gleich tötete, so mußte Charrizul auch diesen bezwingen - dazu musste er den bartlosen Jüngling aber erst schnell kampfunfähig machen, der hin- und her hopste, als kämpfe er barfuß auf glühenden Kohlen. <br>Mit dem lauten imitierten Schrei eines Schakals stürzte er sich erneut auf Moritatio. | ||
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'''Autor:''' [[Benutzer: Ancuiras|Ancuiras]] | |||
Gerade wollte Gendahar dem Wilden die Klinge in die Brust stoßen, als er die Stimme des alten Wunderlings vernahm. Gerade noch konnte er in der Bewegung innehalten und mit einer Handrehung dem Jüngling die Degenspitze an den Hals setzen. "Sei's drum", fuhr es ihm durch den Kopf, "das Gleichgewicht der Schöpfung wird durch ein ewiges Geben und Nehmen aufrecht erhalten und der Herre Boron wird sich selbst der Seele dieses Tieres annehmen!" Ein Seitenblick in die verzweifelten Augen des Einsiedlers aber machte ihm klar, dass dieser geradezu schockiert wäre, wenn der Streitziger den Ferkina vor seinen Augen abstechen würde. Verdammt - den Alten brauchten sie noch und wer weiß, ob der ihnen noch helfen würde, wenn sie sich in seinen Augen als Frevler an der Schöpfung erwiesen. | |||
Plötzlich riss der Ferkina wie besessen an seinem Speer und brachte ihn wieder in seine Gewalt. Gendahar war zu abgelenkt gewesen und verpasste den Moment, ihm den Degen in die Kehle zu stoßen. Schon nächsten Augenblick musste er der Speerspitze ausweichen, die auf seinen Unterleib gezielt gewesen war. Der Speer durchschnitte den Stoff von Gendahar Hemd, schien ihn aber sonst nur geschrammt zu haben. Früher wäre ihm das nicht passiert. | |||
Mit einer weit ausholenden Bewegung täuschte er einen Stich auf den Arm seines Gegners an, den dieser zu parieren suchte, indem er den Speerschaft ruckartig hochriss. Anstatt den Stich bis zu Ende zu führen, ließ der Streitziger den Degen schlangenartig nach unten sausen und bohrte ihn tief in den Oberschenkel des Wilden. Ein gewöhnlicher Gegner wäre nun wohl gestrauchelt, doch der Jüngling setzte, wenn auch lahmend, weiter nach. Beim zweiten Mal machte sich Gendahar nicht mehr die Mühe einer Täuschung, sondern stach schnörkellos in die Schulter seines Kontrahenten, so dass dieser Mühe hatte, den Speer noch einmal zu heben. Doch er stand immer noch. Es bedurfte zweier Schläge mit der Parierstange des Degen auf den Handknöchel des Gegners und auf seine linke Schläfe, um ihn endgültig zu Boden zu schicken. Gendahar fluchte. Diesen unerfahrenen Krieger zu bezwingen war nicht sehr schwierig gewesen, aber es hatte mehr Zeit gekostet, ihn kampfunfähig zu schlagen, als ihn zu töten. Er schaute sich um, um zu sehen, wie es in dem anderen Kampf stand. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
So verbissen er sich auch wehrte, der junge Ferkinakrieger war Moritatio deutlich an Körperkraft überlegen und trieb ihn mit wilden Beilhieben in die Defensive. Wenigstens konnte der Streitziger seinem jungen Antagonisten einige Verletzungen beibringen, wie der Hofjunker aus den Augenwinkeln feststellen konnte. Unter einem weiteren Hieb des Steinbeils zersplitterte plötzlich Moritatios Rapier, die ganze Spitze und ein mindestens zwei Spann langes Stück der Klinge fielen zu Boden, so daß er unversehens nur noch eine Art stumpfen Dolch in der Hand hielt. <br>Der Wilde lachte triumphierend und schlug ein weiteres Mal zu. Moritatio versuchte, ihn vorher mit der linken Hand am Arm zu packen, aber durch das widerliche Körperfett, das den dreisten Rossbanner-Dieb glänzen ließ wie eine Speckschwarte, bekam er ihn einfach nicht zu fassen - er war zu glitschig! | |||
Charrizul nutzte Moritatios Unachtsamkeit und Zerknirschung und versetzte ihm mit der Linken einen knallharten Faustschlag ans Kinn, durch den dieser wie vom Blitz getroffen umfiel und hart auf dem steinigen Boden aufschlug.<br> | |||
"Haha! Schwach wie Erdhörnchen seid ihr Blutlosen!" lachte Charrizul im Idiom der Bani Khadr und wandte sich dann dem blonden Krieger zu, der Rustam niedergestochen, aber offenbar nicht getötet hatte. Umso besser! Wenn er ganz alleine zwei Krieger der Flachländer besiegte und vier Gefangene machte, würde sein Ansehen im Stamm in unbekannte Höhen steigen und der Shâr würde ihn reich beschenken. | |||
Moritatio wurde schwarz vor Augen, als er ungebremst auf den Steinen aufschlug. Sein Speichel schmeckte nach Blut, die Faust des Wilden hatte ihn voll erwischt. Panisch kämpfte er gegen die Ohnmacht an, die ihn zu umschlingen drohte. <br>''"Bleib wach!"'' befahl er sich selbst. ''"Denk an Richeza! Ohne Deine Hilfe ist sie verloren!"'' Er wunderte sich über sich selbst, daß er selbst in so einem Moment zuerst an seine wunderschöne Cousine dachte - nicht aber an sein eigenes Schicksal, das verwirkt war, wenn die Wilden sie gefangennahmen! <br>Er schüttelte wild den Kopf, um die Benommenheit abzuschütteln und stemmte sich mit wackeligen Armen und Beinen hoch in den Stand. Die Berge ringsum drehten sich um ihn herum, ihm war schwindelig wie noch nie, aber mit äußerster Kraft- und Willensanstrengung schaffte er es, sich zu bücken und das Stilett aus seinem Stiefel zu ziehen. <br> | |||
Der Wilde schlug krakeelend auf Dom Gendahar ein, der sich mit der Eleganz eines geborenen Fechters zur Seite wegdrehte. Mit einem Wutschrei, der wahrscheinlich bis nach Punin zu hören war, wankte Moritatio von hinten auf den Wilden zu und rammte ihm das Stilett bis zum Griff zwischen die Schulterblätter.<br> | |||
Der Ferkina drehte sich langsam zu ihm herum, einen erstaunten, fast vorwurfsvollen Ausdruck im Gesicht. Er wollte offensichtlich etwas sagen, aber statt Worten brachte er nur dunkles Blut hervor, daß ihm aus dem Mund lief. Vielleicht hatten die Wilden doch auch ihre archaischen Regeln im Kampf und es war bei ihnen unüblich, einen Gegner von hinten anzugreifen, der gerade mit jemand anderem kämpfte. Es war Moritatio gleichgültig - das war kein Ehrenduell vor Sekundanten, das war ein Gefecht im Krieg, denn als Krieg konnteman diese Invasion der Wilden auf Almada inzwischen wohl bezeichnen. <br>Der Ferkina zog sich zur Verblüffung der vier Mittelländer selbst das Stilett aus dem Rücken, stieß Moritatio kraftlos zur Seite und verschwand torkelnd im Gebüsch, aus dem er und sein junger Begleiter hevorgekommen waren. <br>Moritatio war zu fassungslos und schwach, um ihn daran zu hindern. Er ließ sich stöhnend zu Boden plumsen und wusste nun, daß die Redensart ''"Zäh wie ein Ferkina"'' nicht von ungefähr kam. Wie konnte man eine solche Verletzung überleben und dabei sogar noch auf den Beinen bleiben?<br> | |||
"Keine Sorge, der kommt nicht weit!" hörte er den Streitziger sagen, der dem verletzten jungen Ferkina seine Klinge an die Kehle setzte, der sich kriechend ebenfalls aus dem Staub machen wollte. Der Thangolforster war der Einzige von ihnen Vier, der nicht vor Aufregung zitterte. <br> | |||
Zaida und der alte Heiler Tsacharias waren zur Hütte zurückgewichen, nun kam der Eremit aber wieder näher und beugte sich untersuchend über den schwerverletzten jungen Ferkina, dem diese Hilfe aber, seinem wilden Kopfschütteln nach zu urteilen, als andere als recht war.<br> | |||
"Praios im Himmel! Lass' den Mistkerl doch verbluten!" schimpfte Moritatio verärgert, als er das sah. "Denkst Du, die hätten auch nur einen Gedanken an unsere Rettung verschwendet, wenn sie obsiegt hätten? Ganz im Gegenteil!" Er streckte Zaida die Hand entgegen, damit ihm das stille Kind wenigstens hochhalf, ,wenn sie schon sonst nichts zur Rettung ihrer Gefährten beitrug, außer ihnen eine Last zu sein.<br> | |||
"Wir müssen weg hier! Und zwar auf der Stelle, denn bald wird der ganze Stamm hier sein, um Jagd auf uns zu machen! Wenn Du auf sie warten willst, Heiler - meinetwegen, das ist Deine Sache! Aber vorher beantwortest Du uns jetzt unsere Frage: Weiss Du etwas über Baronin Fenia von Culming und ihren Sohn? Oder über die entführte Tochter des Grafen? Oder vor allem über unsere Gefährtin - Richeza von Scheffelstein ???" | |||
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