Chronik.Ereignis1033 Feldzug Schrotenstein 04: Unterschied zwischen den Versionen
Steves Beitrag: Rifada auf Castillo Briesach |
Steves Beitrag |
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Mit vor Überraschung offenstehendem Mund starrte ihn Rifada entsetzt an. | Mit vor Überraschung offenstehendem Mund starrte ihn Rifada entsetzt an. | ||
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"AUFMAAAAACHEN! WIRD'S BALD?", schallte Rifadas wütende Stimme durch das gesamte alte Gemäuer und bis hinaus auf die Fluten des Sees. Ihr erneuter Tritt ließ die steineichene Tür in ihren Angeln ächzen. Gerade als sie erneut dagegen treten wollte, wurde plötzlich quietschend von außen der Riegel zurückgezogen und die Tür schwang auf. Obwohl der Gang draußen von einer Laterne erhellt wurde, verdunkelte sich deren Licht augenblicklich, als ein Bär von einem Mann eintrat - zwei Schritt groß, mit | |||
Haaren und Bart bis auf die Brust. Der dürre Puniner Schreibgriffel, der sich in Erwartung eines fürchterlichen Donnerwetters angstvoll in die hinterste Ecke des Raumes zurückzog, hatte also die Wahrheit gesagt. Vor ihr stand der berühmt-berüchtigte Doppel-Gasparo, dem sie töricht in die Falle getappt war. | |||
"Gib Ruhe, Weib, Weib!", drohte er ihr mit erhobenem Zeigefinger. "Man kann dich bis Briesach hören, bis Briesach hören!" Er streckte Rifada ein etwa drei mal eine Elle messendes hölzernes Brett entgegen. "Da! Schreib, schreib! Wir schreiben jetzt an deine Sippe, deine Sippe, dass Gasparo Geld sehen will, Geld sehen will, wenn sie dich wiedersehen wollen, wiedersehen wollen." | |||
Rifada nahm das Brett überrascht entgegen und wog es prüfend in der Hand. Sie hatte zwar keine Ahnung, was er damit beabsichtigte - aber sie wusste genau, was sie damit anfangen konnte. Ansatzlos und wuchtig zog sie ihm das Brett über den Schädel, so hart, dass es splitternd in zwei Hälften zerbrach. Der Puniner Secretair stieß einen Schreckenslaut aus, aber Rifada hatte im Laufe ihres Lebens gelernt, wie man kraftvoll zuschlug. Die meisten Männer verdrehten die Augen und kippten einfach wortlos hintenüber, manche drehten danach noch eine kleine Pirouette, aber keiner stand innerhalb der nächsten sechs bis acht Stunden wieder auf, dem sie mit voller Kraft eine eingeschenkt hatte ... | |||
Der Doppel-Gasparo aber blieb tatsächlich stehen. Nur ein dünner Blutfaden rann von seiner Schläfe herab, wo ihn die Kante des Brettes getroffen hatte. Dann begann er zu allem Überfluss auch noch zu grinsen, wobei er eine ganze Reihe schwarzverfaulter Zähne präsentierte. "Auatsch! Ihr habt aber einen richtigen Wumms, richtigen Wumms! Das gefällt mir, das gefällt mir!" Er deutete auf die Bruchstücke des Brettes: "Los jetzt - schreiben was ich sage, was ich sage." | |||
"Ich denke überhaupt nicht daran!", verschränkte Rifada die Arme vor der Brust und schätzte die Chancen ab, an ihm vorbei nach draußen zu schlüpfen. Aber draußen auf dem Gang stand noch jemand - möglicherweise die zwei jungen Burschen, die auch bei dem Überfall zugegen gewesen waren. | |||
"Wie heißt du, wie heißt du", begehrte der Doppel-Gasparo nun von ihr zu wissen und musterte sie von Kopf bis Fuß - zu ihrem eigenen Missfallen offenbar zu seinem Wohlgefallen, denn seine dunklen Schweinsäuglein begannen zu glänzen. | |||
"Auch wenn es dich nichts angeht, Trollgesicht - ich bin Ri ... äh ... Rinalda Escalada von Elenta, die Schwester der Reichsvogtin von Selaque!", log Rifada - in ihren eigenen Ohren alles andere als überzeugend, da sie das Lügen absolut nicht gewohnt war. Irgendetwas tief in ihrem Inneren riet ihr, ihre wahre Identität besser für sich zu behalten und ihn ausgerechnet auf die falsche Fährte ihrer Blutfeindin zu locken. | |||
"Die Schwester der Vogtin, der Vogtin?", klatschte der Riese begeistert in die Hände, dem das Ganze offenbar in keinster Weise unglaubwürdig vorkam. "Hahaha! Tausend Dukaten, tausend Dukaten!", jubilierte er mit einer kindlichen Freude im Gesicht. | |||
"Tausend Dukaten?", wiederholte Rifada scheinbar begriffsstutzig, schließlich war sie jetzt ja eine von Elenta. "Ihr garstiger Räuber wollt tausend Dukaten Lösegeld aus meiner armen Schwester herauspressen, damit Ihr mich freigebt?" | |||
"Tausend Dukaten, tausend Dukaten!", nickte der Doppelte Briesacher. "Nicht weniger, nicht weniger! Ansonsten, ansonsten ..." Er fuhr sich demonstrativ mit dem Daumen in einer halbkreisförmigen Bewegung über die Kehle. | |||
"Oh wehe mir!", spielte Rifada weiter die Rolle der verängstigten Geisel. "So lasst mich meiner Schwester schreiben, damit Ihr Euer Geld erhaltet und ich nur wieder meine kostbare Freiheit gewinne." Eine Depsche an Praiosmin auf Kosten dieses Rohals käme ihr gerade recht, damit sich die alte Vettel nicht sicher fühlen konnte. Da sie sie schreiben sollte, war er dazu offenbar nicht in der Lage. Umso besser, denn das, was sie Praiosmin schreiben würde, hatte nicht im Allergeringsten mit ihm zu tun. Für sie selbst würde sich danach schon eine Gelegenheit zur Flucht ergeben - darüber war ihr überhaupt nicht bange. Aber wenn sich Praiosmin tatsächlich hierher nach Schrotenstein an den Schwarzen See begab, um denjenigen zur Rechenschaft zu ziehen, der ihr derartige Depeschen schickte, dann würde sie das Land ihres einstigen Liebhabers nicht mehr lebend verlassen, dafür wurde Rifada dann sorgen. | |||