Archiv:Venga, wer schreit denn hier so (BB 47)

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Venga, wer schreit denn hier so?
Ein Kommentar zur legendären Amtsführung des Vengaer Stadtmeisters Nasûl Ablizzio
Anonym - aus guten Gründen

Venga - Liebe Bürgerinnen und Bürger von Venga, werter Horas, geehrte Signoras und Signores der adligen Gesellschaft – und natürlich auch jene, die es sich leisten können, kein Blatt vor den Mund zu nehmen: Willkommen in der schönen, lauten Welt unseres geliebten Stadtmeisters Nasûl Ablizzio! Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Politik hier in Venga nicht nur eine Sache für den Kopf ist, sondern auch für die Ohren. Ja, die Ohren leiden am meisten unter seiner Herrschaft.
Der Mann hat ein Temperament, das Seinesgleichen sucht – wenn nicht gleich dreimal. Seine Reden sind keine Reden. Es sind Opern! Drama, Komödie, Tragödie, alles in einer Tonlage, die noch den Vögeln auf dem Dach die Tränen in die Augen treibt. Man könnte meinen, der Stadtmeister probt hier für eine große Bühnenrolle. „Das Genie und die Stadt“, oder vielleicht doch „Der Fluch der Steuereintreiber“? Die Titel wechseln ebenso häufig wie die Launen unseres Signor Ablizzio.
Die Stadtverwaltung – das ist in Venga keine spröde Ansammlung von Papier und Schreibern, keine erdrückende Bürokratie, wie sie in anderen Städten des Reichs herrscht. Nein, in Venga ist die Verwaltung ein Spektakel, ein atemberaubender Tanz von scharfen Anklagen und emotionalen Extremen. Vengas Atak ist das Herumfuchteln à la Ablizzio. Da kann es durchaus passieren, dass man beim Betreten des Ratssaales versehentlich eine Handbewegung als Rücktrittserklärung missversteht – es passiert den besten Stadtschreibern.
Und das muss man sagen: Der Mann hat Charisma! Ja, auf seine Weise. Er kann die Leute so überzeugen, dass sie – auch wenn sie nicht verstehen, warum sie jetzt plötzlich den Marktplatz fegen – irgendwie glauben, es sei das Beste, was sie je getan haben. So ein Stadtmeister ist wie ein Schauspieler, der einen Haufen Statisten um sich schart und das Bühnenbild ist – ach, ein Drama epischen Ausmaßes! Natürlich muss hier auch Erwähnung finden, dass seine Rolle nicht die eines sympathischen Helden ist. Vielmehr gleicht sie einem wütenden Visionär, der verzweifelt auf der Suche nach jemandem ist, der seine Vision teilen kann.
Aber am Ende lieben die Bürger von Venga ihn doch irgendwie, oder? Wie die alte Frau, die zu viel „Kräuter“ genascht hat und sich plötzlich einbildet, sie sei eine Ucuriatin. Wir lachen über sie, wir rollen die Augen – aber wir können nicht anders, als sie zu akzeptieren. So ist auch Ablizzio unser Stadtmeister: Ein Mann der großen Gesten und der noch größeren Schreie. Und so lange der alte Nasûl nicht aufhört, uns bei jeder Sitzung Drohungen an den Kopf zu werfen, werden wir wohl immer das Gefühl haben, dass es schlimmer kommen könnte. Wer braucht schon Ruhe, wenn man einen solchen Stadtmeister haben kann?
In diesem Sinne, liebe Vengaer, ertragt die Schreierei doch einfach noch ein bisschen. Und solltet ihr eines Tages taub werden – dann hat Ablizzio ja sein Ziel erreicht. Ein Venga, das schweigt. Ein Stadtmeister, der sein Denkmal erhält, laut schreiend in Bronze gegossen.
Ach, wer wollte da noch klagen?

RTH