Briefspiel:Mission Alarasruh/Tsatagsbräu

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Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1047 BF Schauplatz: Liebliches Feld bis Alarasruh Entstehungszeitraum: Mai 2025 bis April 2026
Protagonisten: Erlan Sirensteen, Rahjada & Gishtan re Kust, Dimiona della Carenio u.w. Autoren/Beteiligte: Bella, Beo, Carenio, Dellatrezzi, Erlan, Gishtan re Kust, Luntfeld, Schreyen , Flaviora
Zyklus: Übersicht · Auf Aventür · Unter der Erde grollt etwas · Zwergische Konsultationen · Schreiben des Comtos · Schreiben an den Kronrat · Im Unterfelser Yaquir-Kurier · Im Kusliker Kurier · Im Sewamunder Seewind · Im Sheniloer Hesindeblatt · Im Belhankaner Beobachter · Im Oberfelser Yaquir-Kurier · Unverhofftes Wiedersehen · Düstere Vorzeichen · Mit der Kutsche ab Ragath · Tsatagsbräu · von Zwergen und Vasallen des Drachenkaisers · Zwerge wären willkommen


Tsatagsbräu für den Horas

Autor/inn/en: Trix, GrK

Auf der Rückreise vom "Zwergengeburtstag" in ihre Heimatstadt Ramaúd besuchen Rahjada und Gishtan re Kust das koscher Dorf Klein-Silberbinge. Dort erstehen sie von der Braumeisterin Branda Kupferkrug das letzte Fässchen “Albrax’ Ehrentrunk”, um es Khadan-Horas zu überbringen.

Ankunft

Für Signora Rahjada und ihren Gemahl, Baron Gishtan, war die Feier auf Pfalz Alarasruh ein Erlebnis gewesen. Nicht in jeder Hinsicht ein erfreuliches. Doch wie es die Art der beiden weltoffenen, horasischen Edelleute war, hatten sie einige angenehme, neue Bekanntschaften gemacht. Unter diesen war mit der zwergischen Braumeisterin Branda Kupferkrug auch eine, die das Paar über das Ende des Fests hinaus begleitete. Gishtan hatte sich in den Kopf gesetzt, dem Horas, seinem Kaiser, ein Fässlein des Tsatagsbiers “Albrax’ Ehrentrunk” nach Horasia zu bringen. Einerseits, weil der Hochkönig Albrax einer der wenigen Angroschim gewesen war, der die Gespräche mit den Horasiern mit Vernunft geführt hatte, statt mit zwergengussgleicher Engstirnigkeit. Andererseits, weil der Baron sich und seine Gemahlin beim Herrscher wieder einmal namentlich - und in günstiger Weise - ins Gedächtnis bringen wollte. Es genügte nicht, wusste der alte Diplomat, die Interessen der Hohen bestmöglich zu vertreten: Man musste auf das Erreichte auch hinweisen - so überschaubar dies bei den Verhandlungen mit den Bergkönigen auch ausgefallen sein mochte. Ein frisches Bier aus dem Kosch mochte auf die Ergebnisse milderes Licht werfen, und die Wirtin der “Schaumkrone” in Klein-Silberbinge hatte ihm versichert, dass der Inhalt des Fasses noch wohlschmeckend sein würde, wenn es über den Großen Fluss, Havena und das Meer bis ins Horasreich gebracht ward. So hatte er das Angebot des Bergprinzen Galfasch bedauernd abgelehnt, die Rückreise vollständig unter Tage zurückzulegen, und stattdessen eine Kutsche gemietet, die hinter dem behäbigen Wagen von Branda her durch Garetien bis in den Kosch gerollt war. Die Straßen zeigten auch hier nicht die Qualität jener im Lieblichen Feld, doch das gemächliche Tempo hatte die Fahrt erträglich gemacht. Nun also hatten sie die erste Etappe bewältigt: Der Kutscher klopfte und rief, dass das Dorf vor ihnen liege. Während die Kutsche im Schritttempo einen schmalen Karrenweg den letzten Hügel hinab schlich, beugte sich Gishtan re Kust aus dem Seitenfenster um zu überblicken, was ihn und Rahjada erwartete.

Sie waren nur knapp ein halbes Stundenglas lang nach dem Verlassen der Reichsstraße den kleineren, aber dennoch gut ausgebauten Weg in ein Tal hineingefahren, und doch waren die Reisenden erstaunt, wie nah und rasch sie sich bereits direkt an den Hängen der unteren Koschberge befanden. Ein kleiner, aber belebter Ort erstreckte sich von der Aue eines kleines Baches den Hang empor, die Bebauung eine interessant wirkende Mischung aus freistehenden Häusern und Werkstätten, aber auch sich in den Berg erstreckenden Wohnräumen, die mit teils verzierten und behauenen Eingangsportalen versehen waren und Vorbauten und Terrassen besaßen. Klein-Silberbinge hatte eine geschäftige Atmosphäre und obwohl vor allem Angroschim bei ihren täglichen Tätigkeiten zu sehen waren, schienen auch einige Menschen gerade dort zu verweilen, vielleicht auch zu leben. Der kleine Wagen von Branda bog bald von der Hauptstrasse ab und steuerte auf ein größeres Gebäude auf Halbhöhe zu, das ebenfalls teils in den Hang hinein weiterzureichen schien. Über der Tür baumelte ein großer, rötlich-metallener Bierkrug als Emblem, auf dem eine stattliche Schaumkrone aus hellem Metall zu sehen war - sicherlich das von ihrer Führerin so angepriesene Gasthaus.

“Schaumkrone”, kommentierte Baron Gishtan wissend und zeigte aus der Kutsche heraus auf das Wirtshausschild. Auf der Kaiserpfalz hatte er den Beschreibungen der Zwergin gerne gelauscht. Branda hatte ihm so nicht nur das Bier schmackhaft gemacht, sondern auch die Vorstellung, dessen Brauort aufzusuchen und dem Horas ein Fass des Getränks von der Reise mitzubringen. Die Alternativen wären gewesen, wieder über den Yaquir gen Heimat zu fahren, oder aber den weiten Weg gänzlich unter Tage zurückzulegen - das Angebot des Prinzen Galfasch. So sehr Gishtan den Bruders des Bergkönigs von Schradok zu schätzen gelernt hatte, dieses Abenteuer verbot schon die Begleitung seiner Gemahlin, die an derlei Wagnisse nicht gewöhnt war; obgleich Rahjada ihn sicher ohne Murren in traviagefälliger Ergebenheit begleitet hätte. Die Fahrt durch den Kosch und später auf dem Großen Fluss war abenteuerlich genug und angenehmer. Und jetzt waren sie also in Klein-Silberbinge angelangt. Der Mietkutscher hielt seine Pferde hinter Brandas Wagen, und ohne lange zu zögern stieg der horasische Diplomat aus der Kutsche. Neugierig betrachtete er die “Schaumkrone”.

Sie waren vor dem Gasthaus auf einem kleinen, gepflasterten Vorplatz zu Stehen gekommen, auf dem lebhaftes Treiben herrschte. Nicht nur Zwerge, auch ein paar menschliche Handwerker, Fuhrleute und Reisende waren zu sehen. Der Geruch von Malz und Rauch lag in der Bergluft, in das Rufen der Durcheilenden und die Gespräche drang das Hämmern von Werkzeug aus nahen, teilweise offenen Gebäuden und Vorbauten. Ein schmaler Bach rann zwischen den Gebäuden den Hang hinab, direkt hinter der Schaumkrone schien er nach Klein-Silberbinge geleitet zu werden. Das Gasthaus war ein für die Umgebung recht großes und hohes Haus, das direkt an den Hang anschloss und dessen Dachfirst und Fensterläden mit Schnitzereien verziert waren. Direkt dahinter erhob sich der lokale Ausläufer der Koschberge, eine teils bewaldete Fläche, die in der Höhe in grauen Fels überging und verschiedene dunkle Öffnungen aufwies, die auf Stollen und Wohnhöhlen hindeuteten. Der Platz in Klein-Silberbinge wirkte zugleich geschäftig und auch fürsorglich, wie eine kleine Welt für sich.

In der “Schaumkrone” wurde rasch das größte Zimmer für die horasischen Gäste vorbereitet. Rahjadas Zofe erhielt eine Kammer unterm Dach.

Tsatagsbräu

Nachdem die re Kusts sich ausgeruht hatten, drängte Gishtan darauf, endlich die Braustube zu sehen. Danach wollte er einen Blick auf die letzten verbliebenen Fässer des “Ehrentrunks” werfen. Er vertraute auf das feine Gespür seiner Gemahlin, aus diesen dasjenige zu wählen, das sie kaufen und nach Horasia bringen würden. Die Residenzstadt des Kaisers bedeutete zwar einen Umweg auf der Heimreise nach Ramáud. Doch das Geschenk zu überbringen und mündlich Bericht über das zu Alarasruh Erreichte zu erstatten, schien dem Baron wichtig genug. Womöglich würden seine Gemahlin und er sogar einige Momente Aufmerksamkeit Khadan-Horas’ erhalten. Branda führte das Paar in die Braustube. Die Zwergin schien direkt von der Reise wieder in ihre Arbeit im Gasthaus gefallen zu sein, denn nachdem sie einer zwergischen Angestellten den Auftrag, sich um die Gäste zu kümmern, gegeben hatte, hatte sie sich selbst sofort eine Schürze geschnappt und sich mit einem Augenzwinkern und scherzhaften Spruch zu einem großgewachsenen Menschen hinter dem Tresen gesellt. Von dort nahm sie auch das Baronspaar wieder in Empfang und bedeutete diesem, ihr zu folgen. Aus dem Wirtsraum führte eine Türe in einen weiteren Raum, von dem zwar weitere Türen abgingen, jedoch auch ein recht breiter, aber gerade so hoher Gang, dass der Baron noch knapp darin aufrecht stehen konnte. Branda nahm sich eine Laterne von einem als Abstelltisch genutzten, großen Holzfass und entzündete diese. “Einer der Vorteile, wenn wir die Brauerei direkt am Berg haben”, erklärte sie, “wir müssen keine Treppen mit den schweren Fässern hoch und runter, sondern nur in den kühlen Berg.” Tatsächlich wurde es rasch merklich kälter in dem gemauerten Gang, an dessen Ende Branda eine stabile Eichenholztür öffnete. “Herzlich Willkommen in Norgrims Ahnenhalle!” Als sie Gishtans irritierten Gesichtsausdruck sah, lachte sie auf. “Mein Großvater Norgrim hat den Braukeller ‚Ahnenhalle‘ genannt, weil er überzeugt war, dass gutes Handwerk die Ahnen ehrt. Wenn wir brauen wie unsere Vorfahren, dann arbeiten wir in ihrem Sinne – fast so, als wären sie anwesend.” Sie lächelte. “Und nun ist es in doppeltem Sinne seine Ahnenhalle, denn wenn wir gutes Bier brauen, ehren wir auch ihn. Bitte.” Sie bat die beiden in einen sehr großen, einfach aber präzise gemauerten Naturkeller, der wirklich schon ein gutes Stückchen im Hang liegen musste, überschlug der Baron. “Hier lagern wir unsere Biere, vor allem eben unser Schaumkrone Hell, das Koschbasalt Dunkel, und das Bingebitter.” Sie deutete auf die Wasser, die zweiteilig in Regalgestellen an den Wänden lagerten. “Und ein paar kleine Fässer haben wir auch noch mit Albrax´ Ehrentrunk…” Mit diesen Worten ging sie auf eine Selektion kleinerer Fässer zu, die tatsächlich in einem Handwagen gelagert waren und zeigte, sichtlich stolz, darauf.

“Das habe ich zu Alarasruh genossen”, erinnerte sich der alte Diplomat und klang fast verträumt. “Natürlich nur einen Krug”, ergänzte er mit einem Seitenblick auf seine stille Gemahlin. Dass diese auch laut werden konnte, hatte Branda aus zweiter Hand erfahren: Bei den traditionalistischen Xorloscher Angroschim war das in den Beratungen mit der horasischen Delegation nicht gut angekommen. Doch die koscher Braumeisterin kannte sich mit den Menschen besser aus als jene und ahnte, dass das harmonische Paar in der Gruppe eine be- und abgestimmte Rolle übernommen hatte. Denn, dies hatte sie während der gemeinsamen Reise in ihren Heimatort nebenbei erfahren, die Horasier hatten letztendlich die meisten ihrer Ziele erreicht, mit denen sie zu Albrax’ Feier gekommen waren. “Gut, dass Ihr mich, der ich selten Bräu zu mir nehme, davon überzeugtet, es doch zu probieren, Meisterin Branda”, lobte Gishtan. “Was meinst du, mein Gänschen”, welches der Fässer sollen wir erwerben?”, fragte er seine Gemahlin, “Einen kleinen Probeschluck sollten wir zuvor natürlich nehmen.”

Branda lachte. “Was wäre ich für eine Angroschna oder Brauerin, wenn ich Euch dies verwehrte!” In ihren Augen lag ein belustigtes Funkeln. “Aber dann entscheidet doch bitte Ihr, Signora, Euer Gemahl hat ja bereits treffsicheren Geschmack bewiesen.” Lächelnd und erwartungsvoll blickte sie Rahjada an.

Rahjada re Kust, geborene ya Papilio, lächelte nachsichtig und trat an den Wagen heran. Nach welchem Maßstab die zierliche Adelige die Fässer in Augenschein nahm, wurde Branda nicht ersichtlich. Sie war auch kurz durch einen bunten Falter abgelenkt, der irgendwie in den Keller gelangt war und erst Rahjada, dann die Zwergin umtanzte. Dann deutete die Horasierin auf eines der Fässchen mit etwa 7 oder 8 Litern Inahlt: “Das hier vielleicht, mein Lieber?” Branda erkannte mit Erstaunen an ihren eigenen Markierungen, dass die stille Edeldame treffsicher jenes gefunden hatte, das als vorletztes gefüllt worden war. Es enthielt also das frischeste Bier, aber nicht den letzten Rest, den Branda und ihre Helfer noch aus dem Kessel geschöpft hatten. Als die Braumeisterin sich schon daran machen wollte, das Fässchen auf eine Sackkarre zu heben, ließ ein Wink des Barons sie innehalten: “Ihr erwähntet noch das ‘Koschbasalt Dunkel’, Meisterin. Davon hätte ich gerne zum Abendbrot einen Krug”, bat er. “Die Familie meiner Gemahlin besitzt ja das Brauprivileg für ein Dunkelbier.” “St. Badilak Dunkel”, ergänzte Rahjada. Branda hatte von diesem liebfelder Bräu noch nichts gehört. “Falls Euer ‘Koschbasalt’ mir mundet, will ich dem Hopfmeister Zylobar, einem Vetter meiner Holden, ein Fässchen davon mitbringen.”

Branda nickte knapp, als sei die Sache damit bereits besiegelt. „Dann sollt Ihr es kosten und es Euch munden. Ich werde es Euch an den Tisch im Gastraum bringen.” Sie nahm ein Stückchen Kreide aus einer Schürzentasche und zeichnete eine Markierung auf das Fass, das Rahjada ausgesucht hatte. “Und für die Abfahrt wird alles bereit sein - vielleicht ja dann mit einem Fässlein Koschbasalt Dunkel dazu.” Die Zwergin zwinkerte Rahjada lächelnd zu und deutete ihren Gästen dann an, sich wieder zurück Richtung Gaststube zu begeben. “Der Krug Dunkel ist natürlich erst einmal eine Ehrengabe unter Handwerks-Kollegae, Signora.”

“Aber die Selbstkosten werden wir Euch erstatten”, darauf bestand die Liebfelderin. So wurde man sich schnell einig und begab sich in die Schankstube, wo die beiden Neuankömmlinge Koscher Gastfreundlichkeit kennenlernen sollten.

Abreise

Zwei Nächte und einen ganzen Tag verbrachten die re Kusts in Klein-Silberbinge. Die geschäftige und freundliche Atmosphäre des koscher Dorfs behagte dem Paar, und sie genossen eine Wanderung durch die umliegenden Wiesen und Haine. Sie nahmen sich sogar Zeit für ein zweisames Essen auf einer im Schatten einer Birke ausgebreiteten Decke. “Rustikal”, befand Rahjada, doch sie fühlte sich wohl. Es war nicht geringschätzend gemeint. Am Abend hatte sie ihrem Gemahl den zweiten Humpen “Koschbasalt” ausgeredet: “Die Kinder warten. Und der Horas.” Diese Reihenfolge gab ihre eigene Gewichtung wieder. Bedauernd hatte Gishtan es bei einem der kräftigen Dunkelbiere als Schlummertrunk belassen. Dadurch fiel ihm das frühe Aufstehen am folgenden Morgen leichter. Seine Gemahlin und die Zofe hatten das Reisegepäck des Paars bereits in die Kutsche bringen lassen, als der Baron ya Ramaúd in die Schankstube der “Schaumkrone” trat und verwundert auf den leeren Tisch blickte: “Kein Morgenmahl?”, wollte er von Branda wissen, die bereits seit Sonnenaufgang geschäftig durch ihre Wirtschaft wirbelte. “Die Baronin hat ein Vesper für unterwegs und Speisen für den Mittagstisch einpacken lassen, damit Ihr unterwegs essen könnt”, erklärte die Zwergin.

Branda griff unter den Tresen und zog einen flachen, mit Tuch bedeckten Weidenkorb hervor, den sie mit geübten Handgriffen noch einmal überprüfte, bevor sie ihn auf die Theke hiefte. Darin lagen dunkles, krustiges Koscher Brot, ein großes Stück Bergkäses, etwas geräuchertes Fleisch und ein kleines, sorgfältig verschlossenes Gefäß mit eingelegtem Gemüse. Zwischen all dem war dazu ein bauchiger Krug verkeilt. „Hält Euch bei Kräften“, sagte sie schlicht mit einem Schmunzeln, „und verdirbt nicht auf dem Weg.“ Einen Moment ruhte ihr Blick auf dem Korb, dann schob sie ihn dem Baron ein Stück entgegen.

“Das weckt Erinnerungen an jene Tage, als ich noch nicht in diplomatischem Auftrag, sondern als stiller Beobachter unterwegs gewesen bin, um die Interessen der Horaskaiserin zu fördern. Bei Kräften zu bleiben war damals wichtiger als die aufwändige Zusammenstellung der Speisen. Gute, alte Zeiten…” Gishtan seufzte wohlig. “Travia und Aves mit Euch, Frau Wirtin”, dankte er sodann. “Ich bin sicher, dass diese Wegzehrung uns ein gutes Stück der weiteren Heimreise begleiten wird.”

Branda stemmte die Fäuste kurz in die Hüften und musterte das Paar mit einem warmen, zufriedenen Blick. „Dann habt eine gute Reise, Ihr beiden. Mögen Euch die Wege stets sicher führen und das Bier nicht vor der Zeit zur Neige gehen.“ Ein schiefes Grinsen huschte über ihr Gesicht. „Und richtet dem Tsatagskind aus, er möge es mit Bedacht trinken – so ein Ehrentrunk ist nichts für hastige Menschen.“ Sie nickte ihnen noch einmal zu und lächelte breit. „Kommt wieder, wenn es Euch in den Kosch verschlägt.“

“So oft sind wir nicht gemeinsam unterwegs”, sagte Rahjada rasch. Sie schien vermeiden zu wollen, dass ihr Gemahl vorschnelle Zusagen machte. “Aber Euch und die ,Schaumkrone’ werden wir in guter Erinnerung bewahren. Phex mit Euch.” Die Signora war es dann auch, die aus der Reiseschatulle die Rechnung für Unterkunft und Bewirtung beglich. Einen angemessenen Zuschlag als Ausdruck der Zufriedenheit der hohen Gäste gab es zudem, wie Branda feststellte. Die Münzen sahen zwar ungewohnt aus, doch ihr Gold war mindestens so rein wie das der Dukaten mittelreichischer Prägung. Nach letzten Grüßen stieg das Baronspaar von Ramaúd in die Kutsche. Branda winkte ihnen, bis das Gefährt auf die sonnenbeschienene Hauptstraße von Klein-Silberbinge einbog und hinter dem ersten Haus verschwand. Dann ging sie zurück in ihr Gasthaus. Der nächste Sud wollte vorbereitet werden, und nebenher würde sie überdenken, welcher Fernhändler ihr Bier bis ans Meer der Sieben Winde bringen könnte. Wer wusste schon, ob nicht in einigen Wochen eine Bestellung aus dem Lieblichen Feld eintraf?